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Ausgabe April 2007

 

 

73. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim; Congress Center Rosengarten Mannheim

Herzkrankheiten: Depressionen genauso gefährlich wie Zigarettenrauchen

Depressionen sind ein unabhängiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Krankheiten, das Ausmaß der Risikoerhöhung entspricht dem des Zigarettenrauchen, berichtet Dr. Florian Lederbogen (Mannheim) auf der 73. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim, auf der 6000 Teilnehmer erwartet werden. Das gilt sowohl für Herzgesunde als auch für Herzkranke. Bisher war man davon ausgegangen, dass das erhöhte Herzrisiko Depressionskranker eventuell eine Nebenwirkung bestimmter Antidepressiva sei.

Für diese Risikoerhöhung, die sowohl das Entstehen einer Herz-Kreislauf-Krankheit als auch deren Verlauf betrifft, gibt es eine Reihe von Ursachen. „Depressionen haben oft einen negativen Einfluss auf Verhaltensweisen, die für die Prognose wichtiger Herzkrankheiten eine zentrale Rolle spielen: Depressive Patienten zeigen eine niedrigere Erfolgsrate bei der Einhaltung wichtiger Therapieprinzipien wie Sport, Ernährung und Medikamenteneinnahme („Compliance“) und schaffen es seltener, mit dem Rauchen aufzuhören“, sagt Dr. Lederbogen. So hatten in einer großen Studie nach durchschnittlich zehn Jahren 20 Prozent nicht-depressive, aber nur neun Prozent depressive Probanden den Nikotinkonsum gestoppt.


Biologische Faktoren beeinflussen Hormone und Stoffwechsel ungünstig


Das kardiale Risiko depressiver Menschen bleibt allerdings auch unabhängig vom Einfluss der „klassischen“ Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht („Adipositas“) und Bewegungsmangel erhöht. „Zusätzlich zu den durch Gesundheitsverhalten beeinflussbaren Faktoren sind biologische Faktoren wirksam, die noch nicht immer eindeutig identifiziert werden konnten“, sagt Dr. Lederbogen. Möglicherweise begünstigen Aktivitätssteigerungen der im Gehirn wirksamen stressregulierenden Systeme die Entstehung von Fett um die Hüfte („viszeraler Adipositas“) und Resistenz gegenüber Insulin – beides wichtige Risikofaktoren für die Entstehung von Diabetes. Für die vermehrte Ausbildung von Hüftfett könnte ein für die Depression charakteristisches Ungleichgewicht verantwortlich sein: das Überwiegen der fettakkumulierenden Hormone Kortisol und Insulin gegenüber den fettmobilisierenden Hormonen Testosteron und Wachstumshormon. Bei Depressiven werden auch Thrombozyten aktiviert, wodurch das Risiko von Gefäßverstopfungen ansteigt.

Es ist noch nicht eindeutig geklärt, welchen Stellenwert diese Zusammenhänge bei der Erhöhung des kardialen Risikos Depressiver einnehmen, sagt Dr. Lederbogen. Praktisch sei wichtig, bei Herzkranken gezielt nach Depressionen zu suchen.

Kontakt:

Prof. Dr. Eckart Fleck, Pressesprecher der DGK
Christiane Limberg, Pressereferentin der DGK
Roland Bettschart, B&K Medien- und Kommunikationsberatung

 

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