Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung
e.V.
Neue Optionen in der Herzinfarkt-Therapie
74. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie; Mannheim
Der akute Herzinfarkt und seine
Folgen sind nach wie vor die Todesursache Nummer Eins: 70.000 Menschen
sterben in Deutschland jährlich an einem Infarkt. Innovative
Therapieoptionen, die mehr Menschen das Leben retten könnten,
präsentieren führende Herzspezialisten auf der Jahrestagung der
Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), die am 27. März in
Mannheim beginnt. Erwartet werden mehr als 6.000 Teilnehmer aus 25
Ländern.
Die Gefäßaufdehnung mittels eines Ballonkatheters kann heute bei einem
akuten Myokardinfarkt den Verlust an Herzgewebe deutlich vermindern
und in vielen Fällen den akuten Herztod abwenden. Die
Wiederherstellung der Blutversorgung der Herzmuskulatur macht den Weg
frei für die Erholung von der Zellschädigung, die der Infarkt
verursacht. "Es gehört zu den besonders aufregenden Nachrichten der
allerjüngsten Zeit, dass die ersten Minuten der Wiederdurchblutung
oder Reperfusion ein noch ungenutztes Fenster therapeutischer
Möglichkeiten darstellen", sagt Tagungspräsident Prof. Dr. Dr. Hans
Michael Piper (Gießen). Die Forschung habe inzwischen die Entstehung
des so genannten Reperfusionsschaden aufgezeigt, also die Umstände der
Reperfusion, die den Zellschaden im mangelversorgten Herzgewebe erst
unumkehrbar werden lassen können. Bereits erfolgreich klinisch
getestet wurde ein Verfahren zur Unterbrechung des
Reperfusionsschadens, bei dem das körpereigene Hormon ANP (Atriales
Natriuretisches Peptid) gespritzt wird, berichtet Prof. Piper. "Bei
einem weiteren Verfahren hat eine Serie sehr kurzer erneuter
Gefäßverschlüsse unmittelbar nach Beginn der Reperfusion einen
schützenden Effekt auf das Herzgewebe."
Blutgefäße besser offen halten
Nach Öffnung eines verschlossenen Herzgefäßes gilt dessen Offenhalten
als besondere therapeutische Herausforderung. Einem erneuten
thrombotischen Verschluss wird vorgebeugt, indem die Blutgerinnung
gehemmt wird. Langfristig sollen erneute Gefäßverengungen zum Beispiel
durch Stents vermieden werden. Das weitere Geschehen in einem
teilweise geschädigten, teilweise geretteten, teilweise gesunden
Herzen ist durch so genanntes Remodelling geprägt. "Beim Remodelling
ändert das Herz, obwohl es wieder durchblutet wird, seine Struktur und
Zellfunktion, und es folgt unter Umständen eine Herzinsuffizienz, so
Prof. Piper. "Die jetzt angewandte klinische Therapie, zum Beispiel
mit ACE-Hemmern, kann den Remodellingprozess positiv beeinflussen und
das Eintreten der Herzinsuffizienz hinauszögern. Eine zukünftige
Aufklärung der Ursachen für den Gewebsumbau bis hin zur
Herzinsuffizienz lässt aber noch deutliche therapeutische
Verbesserungen erwarten."
Hoffnungsgebiet Stammzelltherapie
Ein großes Potenzial für die zukünftige Therapie des Herzinfarkts
sieht Tagungspräsident Prof. Piper in der Stammzelltherapie, auch
wenn die Erfolge der bisherigen klinischen Studien noch klein seien.
Mit dieser Therapiestrategie wird versucht, das beim akuten
Herzinfarkt oder beim nachfolgenden Remodelling zerstörte Herzgewebe
wieder zu ersetzen. Prof. Piper: "In experimentellen Studien wurde mit
ganz unterschiedlichen Zelltypen, die das biologische Potenzial
besitzen, sich zur Herzzelle zu entwickeln, Erfolge der Regeneration
berichtet. Nur einige wenige hiervon konnten bisher auch klinisch
untersucht werden. Die Suche nach dem besten Verfahren geht weiter."
Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz und
Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine
wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit heute mehr als 6450
Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem
Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen
und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927 in Bad
Nauheim gegründet, ist die DGK die älteste kardiologische Gesellschaft
in Europa. Weitere Informationen unter www.dgk.org.
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