Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung
e.V.,
Volkskrankheit Vorhofflimmern: Kompetenznetz liefert wichtige
Erkenntnisse für bessere Versorgung
74. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie; Mannheim
Vorhofflimmern ist die häufigste
Herzrhythmusstörung, insbesondere bei älteren Menschen. In Deutschland
gibt es rund eine Million Vorhofflimmer-Patienten, Tendenz steigend.
Und das ist mit Risiken verbunden: Die Pumpfunktion des Herzens ist
eingeschränkt, zudem haben Betroffene ein deutlich erhöhtes
Schlaganfall-Risiko. Jeder fünfte Schlaganfall geht auf die
gefährliche Störung zurück. Über Forschungserfolge des Kompetenznetzes
Vorhofflimmern berichten Experten auf der Jahrestagung der Deutschen
Gesellschaft für Kardiologie (DGK), die am 27. März in Mannheim
beginnt. Erwartet werden mehr als 6.000 Teilnehmer aus 25 Ländern.
Forschung für bessere Versorgung
Im Kompetenznetz Vorhofflimmern arbeiten seit fünf Jahren
Wissenschaftler und Ärzte zusammen, um die Behandlung und Versorgung
der Betroffenen zu verbessern. Finanziert wird das Forschungsnetzwerk
vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). "In den
vergangenen Jahren wurden im Kompetenznetz Vorhofflimmern rund 20
Forschungsprojekte entwickelt, vorbereitet und durchgeführt",
berichtet dessen Sprecher Prof. Dr. Dr. h.c. Günter Breithardt
(Münster).
Flec-SL-Studie: Viel versprechende neue Kurzzeitbehandlung
Ein Beispiel ist die aktuelle Flec-SL-Studie, in der Experten des
Netzwerks eine neue antiarrhytmische Kurzzeitbehandlung testen. Erste
Ergebnisse präsentierte in Mannheim Projektleiter Prof. Dr. Paulus
Kirchhof (Münster).
Durch eine elektrische Kardioversion, also einen kurzen Elektroschock
in Narkose, kann Vorhofflimmern in vielen Fällen erfolgreich beendet
werden. Allerdings tritt die Rhythmusstörung bei vielen Patienten in
den ersten Wochen oder Monaten danach wieder auf. "Dieses Wiederkehren
der Rhythmusstörung lässt sich in vielen Fällen durch eine Behandlung
mit so genannten Antiarrhythmika verhindern, doch diese Medikamente
sind vor allem bei längerer Einnahme mit gefährlichen Nebenwirkungen
verbunden", sagt Prof. Kirchhof. "Im Rahmen der Flec-SL-Studie
untersuchen wir ein neues Behandlungskonzept mit kürzerer
Therapiedauer, die nicht nur Patienten weniger belastet, sondern
darüber hinaus auch Kosten spart." Die Studie, an der 40 Zentren
beteiligt sind, wurde im März 2005 gestartet und läuft noch bis 2009.
Pathophysiologische Untersuchungen haben gezeigt, dass die
Umbauvorgänge im Vorhof sich innerhalb von vier Wochen innerhalb des
Vorhofflimmerns wieder erholen. Diese Erkenntnisse legen nahe, dass
eine Behandlung vor allem in der ersten Zeit nach einer Kardioversion
sinnvoll ist. Üblich ist derzeit aber noch eine Langzeitbehandlung, da
bisher keine Daten zur optimalen Behandlungsdauer vorlagen.
Eine erste Zwischenauswertung der Daten von 242 Patienten hat jetzt
gezeigt: Eine Kurzzeitbehandlung mit dem Wirkstoff Flecainid über vier
Wochen kann das Wiederauftreten von Vorhofflimmern jedenfalls
vermindern. Prof. Kirchhof: "Bei den Patienten, die mit der Substanz
behandelt wurden, lag die Rezidivrate nach vier Wochen bei 30 Prozent,
in der Kontrollgruppe ohne Flecainid erlitten rund 50 Prozent der
Patienten einen Monat nach der Kardioversion einen Rückfall."
Der zweite Analyseschritt, der die Kurzzeit- mit der Langzeittherapie
vergleicht, ist nach Studienende im Jahr 2009 geplant. "Schon heute
können die weiteren Analysen dazu beitragen, Patienten für eine
Kardioversion und eine Therapie mit Antiarrhythmika gezielter
auszuwählen", so Prof. Kirchhof. "Wenn sich die Hypothese der Studie
bestätigt, könnte die Behandlung mit Antiarrhythmika nach
Kardioversion für viele Patienten einfacher und kürzer werden."
Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz und
Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine
wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit heute mehr als 6450
Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem
Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen
und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927 in Bad
Nauheim gegründet, ist die DGK die älteste kardiologische Gesellschaft
in Europa. Weitere Informationen unter www.dgk.org.
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