Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung
e.V.
Langstreckenlauf und Herz: Ältere Marathonläufer unterschätzen
Herzrisiko
74. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, Mannheim
Das Phänomen gilt unter Experten
als "Paradox der körperlichen Aktivität": Während regelmäßige
körperliche Aktivität vor dem Risiko eines Herzinfarkts schützt, kann
intensive körperliche Anstrengung das Kurzzeitrisiko für einen Infarkt
steigern. Erkenntnisse zur Frage, ob extremer Ausdauersport wie
Marathonläufe gefährlich für die Herzgesundheit sind, präsentieren
Experten auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für
Kardiologie (DGK), die am 27. März in Mannheim beginnt. Erwartet
werden mehr als 6.000 Teilnehmer.
Marathonstudie zu Risiken des Langstreckenlaufs
"Ausdauersport hilft, die Arteriosklerose der Herzkranzgefäße und
damit Herzinfarkte zu vermeiden, dies ist nicht zuletzt ein Grund,
dass Laufen und Jogging zu den beliebtesten Volkssportarten gehört",
sagt PD Dr. Stefan Möhlenkamp (Essen). "Auch die Zahl der
Marathonveranstaltungen und deren Teilnehmerzahlen haben sich in den
vergangenen 25 Jahren fast vervierfacht." Das könnte auch gefährliche
Folgen haben.
Dr. Möhlenkamp: "Da die koronare Herzkrankheit während
Sportveranstaltungen die häufigste Ursache von tödlichen und
nicht-tödlichen Ereignissen bei älteren Sportlern ist, haben wir in
der Marathonstudie die Häufigkeit der Koronarsklerose und einer
Myokardschädigung bei 108 äußerlich gesunden, über 50-jährigen
männlichen Marathonläufern untersucht." Anlass zur Studie war der Fall
eines 63-jährigen Läufers, bei dem die Essener Forscher wenige Tage
nach einem erfolgreich absolvierten Marathonlauf zufällig einen
beschwerdefrei verlaufenden Herzinfarkt entdeckt hatten.
Die Teilnehmer an der Marathonstudie mussten 50 Jahre alt sein und in
den vergangenen drei Jahren fünf Marathonwettkämpfe absolviert haben.
Bei ihnen war keine Herzkrankheit bekannt und es lag kein Diabetes
vor. Neben der Messung von Risikofaktoren wurden auch ein
Computertomografie und eine magnetresonanztomografische Untersuchung
des Herzens zum Auffinden von Herzmuskelschädigungen durchgeführt. "Es
zeigte sich, dass die Marathonläufer ein um 50 Prozent geringeres
kardiovaskuläres Risikoprofil im Vergleich zur gleichaltrigen
Allgemeinbevölkerung haben. Die Ausprägung der Koronarverkalkung war
aber ähnlich: In beiden Gruppen hatten 36 Prozent der Läufer einen
Kalkscore, der ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko anzeigt. Im
Vergleich zu einer Kontrollgruppe mit ähnlich günstigem Risikoprofil
hatten die Marathonläufer sogar deutlich mehr Koronarkalk."
Bei zwölf Prozent der Marathonläufer konnten Hinweise auf einen
bislang nicht bekannten Herzmuskelschaden nachgewiesen werden. Läufer
mit einer besonders hohen Kalklast und diejenigen mit sehr vielen
absolvierten Marathonwettkämpfen hatten auch besonders häufig eine
Herzmuskelschädigung.
Ausdauersport ist lebensverlängernd - Marathon als Extrembelastung
"In einer Vielzahl von Publikationen konnte gezeigt werden, dass
Ausdauersport gesund ist, das Leben verlängert und die Lebensqualität
verbessert! Marathonlaufen ist aber eine Extrembelastung", zieht Dr.
Möhlenkamp Bilanz. "Bei älteren vermeintlich gesunden Läufern liegt
oft eine bedeutsame Koronarsklerose vor, deren Ausprägung durch
Messung des kardiovaskulären Risikoprofils unterschätzt wird. Läufer
mit ausgeprägter Arteriosklerose haben auch eine höhere Rate an
unerkannten Herzmuskelschädigungen." Ob Marathonlaufen selbst zur
Herzmuskelschädigung beitragen könne, müsse weiter untersucht werden,
so der Experte. Sein Rat: "Bei älteren Läufern sollte also vor der
Teilnahme an Marathonwettkämpfen und dem zugehörigen intensiven
Training eine gründliche ärztliche Untersuchung durchgeführt werden,
um ernsthafte Zwischenfälle zu vermeiden."
Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz und
Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine
wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit heute mehr als 6450
Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem
Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen
und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927 in Bad
Nauheim gegründet, ist die DGK die älteste kardiologische Gesellschaft
in Europa. Weitere Informationen unter www.dgk.org.
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