Herzinsuffizienz: Länger und besser leben mit der
"Telefonschwester"
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KURZ
UND KNAPP
Eine
Telefonschwester trägt dazu bei, die Überlebenschancen und
die Lebensqualität von Patienten mit Herzschwäche
entscheidend zu verbessern. Die speziell zur Betreuung von
Patienten mit Herzinsuffzienz geschulte Krankenschwester ist
ein zentrales Element des interdisziplinären
Betreuungsprogramms „HeartNetCare HF Würzburg“.
Hausärzte, Klinikärzte, Kardiologen und speziell
ausgebildete Telefonschwestern arbeiten in diesem Programm
eng zusammen und betreuen Patienten mit Herzschwäche nach
festen Standards. Eine Studie hat jetzt die Wirksamkeit des
mit finanzieller Unterstützung vom Bundesministerium für
Bildung und Forschung (BMBF) entwickelten
Betreuungskonzepts geprüft. „Unsere Studienergebnisse
beweisen,dass durch die nicht-medikamentöse Maßnahme eine
wesentliche Lebensverlängerung und verbesserte
Lebensqualität der Patienten erreicht werden kann“, erklärt
Projektleiterin Professor Christiane Angermann von der
Uniklinik Würzburg.
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Lebensqualität über das Telefon
Sechs Monate beobachteten die Würzburger Wissenschaftler in
einem Teilprojekt des Medizinischen Kompetenznetzes
Herzinsuffizienz den Krankheitsverlauf von rund 700 Patienten
mit Herzschwäche. Die Hälfte der Patienten wurde nach dem
neuen interdisziplinären Konzept versorgt und bekam eine
Telefonschwester zur Seite gestellt, die andere Hälfte der
Teilnehmer erhielt die übliche Betreuung. Nach sechs Monaten
Beobachtungszeit zeigte das neue Betreuungsprogramm
überzeugende Vorteile für die Patienten: Lebensqualität und
Herzschwäche besserten sich, die Überlebenschancen waren
deutlich höher als bei den Patienten, die auf herkömmliche
Weise versorgt wurden. Außerdem hatten die Patienten mit
Telefonschwester am Ende des Beobachtungszeitraums im
Schnitt vier Tage weniger im Krankenhaus verbracht als die
Teilnehmer aus der Kontrollgruppe. Die Studienteilnehmer (29
Prozent Frauen, 71 Prozent Männer) waren im Mittel 68 Jahre
alt, bei 40 Prozent war die Krankheit mittelschwer oder
sogar schwer ausgeprägt.
Regelmäßig ruft die Telefonschwester ihre Patienten zum
vereinbarten Termin an, je nach Schweregrad der Erkrankung
ein- bis viermal pro Monat. Die 15- bis 20-minütigen
Gespräche orientieren sich an mehreren detailliert
vorgegebenen Fragebögen. Punkt für Punkt geht sie die Fragen
durch: etwa ob der Patient in der letzten Woche zugenommen
hat, unter Luftnot leidet oder die Knöchel angeschwollen
sind. Neben diesen Symptomen, die auf eine verschlechterte
Herzleistung hinweisen, prüft die Schwester, ob der Patient
seine Herzmedikamente korrekt eingenommen hat und gibt Tipps
zur richtigen Ernährung und körperlichen Aktivität.
Bei
wichtigen Veränderungen informiert sie den Hausarzt und
schaltet bei Bedarf einen Kardiologen ein. Die Patienten
nehmen die telefonische Betreuung sehr gut an. Viele haben
ein persönliches und vertrauensvolles Verhältnis zu „ihrer“
Telefonschwester entwickelt. Sie fühlen sich sicher und
wissen mehr über ihre Krankheit.
Das
motiviert sie, den Behandlungsplan einzuhalten und sich
aktiv an der Krankheitsbewältigung – beispielsweise durch
regelmäßiges Blutdruckmessen – zu beteiligen.
Eine Schwester für 120 Patienten
Die
Telefonschwester unterstützt den Hausarzt bei der Versorgung
der Patienten. Etwa 100 bis 120 Patienten kann eine einzige
Vollzeit-Schwester mitbetreuen. Im Praxisalltag haben die
behandelnden Ärzte meist nur wenig Zeit, ausführlich auf die
Patienten einzugehen, sie ausreichend zu informieren und zu
motivieren. Gerade Patienten mit Herzinsuffzienz benötigen
eine intensive Betreuung. Die Erkrankung betrifft
überwiegend ältere Menschen, von denen die Mehrzahl unter
weiteren Krankheiten – etwa Nierenschwäche oder
Arthroseleidet. Die Einnahme zahlreicher Medikamente erhöht
die Gefahr von Neben- und Wechselwirkungen, was die Therapie
zusätzlich erschwert. Die Versorgungslage der
Herzinsuffzienten Patienten in Deutschland ist trotz
geeigneter Diagnose- und Therapieverfahren daher oft
unzureichend.
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Herzinsuffizienz-Schwester Susanne Muck bei der
Arbeit am Telefon

Quelle: Prof. Dr. Christiane Angermann, Universitätsklinikum Würzburg
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Erfahrungen in anderen Ländern haben gezeigt, dass eine
individualisierte und interdisziplinäre Betreuung wesentlich
zur Lösung dieser komplexen Problematik beitragen kann.
Aktuelle Leitlinien empfehlen daher, derartige Programme in
die Praxis umzusetzen.
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Die beiden
Kurven zeigen die Überlebensrate der
Studienpatienten mit Herzschwäche je nach Art der
Versorgung: die blaue Kurve zeigt die Überlebensrate
der Patienten mit Telefonschwester, die rote Kurve
die der Patienten mit der üblichen Versorgung. Nach
einem halben Jahr überlebten 93 Prozent der
Patienten mit Telefonschwester im Gegensatz zu 85
Prozent der Patienten mit normaler Betreuung.
Quelle: HOTLINE-Vortrag auf der Jahrestagung 2008
der
Deutschen Gesellschaft für Herz- und
Kreislaufforschung
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Welche Maßnahmen unter den Rahmenbedingungen des deutschen
Gesundheitssystems geeignet sind, die Patienten mit
Herzschwäche besser zu versorgen, war bislang jedoch unklar,
weil dazu keine aussagekräftigen Daten vorlagen. Die
Würzburger Forscher sind überzeugt, dass sich ihr Programm
auch überregional erfolgreich einsetzen lässt. Angermann:
„Mit unserem Betreuungskonzept stehen Wege zu einem im
Vergleich zum gerätebasierten Telemonitoring relativ
kostengünstigen Krankheitsmanagement bei herzinsuffizienten
Risikopatienten offen. Es ist zu hoffen, dass die
Kostenträger die Konsequenzen ziehen und die breite
Anwendung des Konzepts finanzieren werden.“
Ansprechpartnerin:
Prof. Dr. Christiane Angermann
Universitätsklinikum Würzburg
Medizinische Klinik und Poliklinik I
Klinikstraße 6–8
97070 Würzburg
Fax:
0931 201-71240
E-Mail: angermann_c(at)medizin.uni-wuerzburg.de
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