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Ausgabe August 2008

 



Neue Perspektiven für Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern

DGK veröffentlicht erstmals eine interdisziplinäre EMAH-Leitlinie für
Deutschland, Österreich und die Schweiz
Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung
e.V., Christiane Limberg, 
 

Erwachsene Herzkranke, die regelmäßig einen
Kinderarzt aufsuchen müssen, sind derzeit keine Seltenheit. Bisher
waren angeborene Herzfehler - die häufigsten angeborenen Erkrankungen
überhaupt - meist beim Kinderkardiologen angesiedelt, schließlich
erreichten Kinder mit angeborenen Herzfehlern nur in Ausnahmefällen
das Erwachsenenalter. Das ist heute anders: Dank der enormen
medizinischen und technischen Fortschritte gibt es immer mehr
Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern (EMAH). In Deutschland leben
nach wissenschaftlichen Schätzungen derzeit 180.000 EMAH-Patienten, in
zehn Jahren wird diese Zahl auf 225.000 ansteigen, andere Experten
gehen gar von 227.000 Patienten aus. Das Nationale Register Angeborene
Herzfehler, das vor vier Jahren im Rahmen des Kompetenznetzes
gegründet wurde, versucht diese Patienten möglichst komplett zu
erfassen. Um dieser neuen Patientengruppe gerecht zu werden, wurde
jetzt von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie erstmals eine S
2-Leitlinie herausgegeben - gemeinsam erarbeitet von allen
kardiologischen Fachgesellschaften in Deutschland, Österreich und der
Schweiz sowie den entsprechenden Kompetenznetzen und
Patientenorganisationen.

"Die Leitlinie gibt einen Überblick über die medizinischen
Besonderheiten der angeborenen Herzfehler im Erwachsenenalter",
erläutert der Herausgeber Prof. em. Prof. h. c. Dr. Achim A. Schmaltz
aus Essen. "Zunächst werden verschiedene medizinische Aspekte wie
Hämodynamik, Arrhythmien oder Zyanose dargestellt, dann tabellarisch
die wichtigsten einzelnen Herzfehler abgehandelt. Der Leser findet
eine exzellente Handlungsanleitung zur Langzeitbetreuung der einzelnen
Herzfehler." Deutlich wird auch, dass viele Erwachsene mit operiertem
oder teilweise operiertem angeborenen Herzfehler einer konsequenten
Langzeitbetreuung bedürfen. Schmaltz: "Herzrhythmusstörungen,
Bluthochdruck, hämatologische Probleme treten gehäuft auf, manche
einfache Herzfehler zeigen typische Spätkomplikationen wie eine
Aortenisthmusstenose, während das Endokarditisrisiko lange Zeit wohl
überschätzt wurde." An erster Stelle der angeborenen Herzfehler stehen
Ventrikel- und Vorhofseptumsdefekte, deren Langzeitverlauf meist
ausgesprochen gutartig ist, wohingegen die Aortenisthmusstenose mit
dem Hochdruck- und Aneurysma-Risiko einer genaueren Nachkontrolle
bedarf. Unter den vormals zyanotischen Herzfehlern bereitet die
Fallot´sche Tetralogie am häufigsten im Langzeitverlauf
Probleme.

In den kommenden Jahren wird es weitere Fortschritte in der Behandlung
von EMAH-Patienten geben: "Sie werden besonders von den Fortschritten
der interventionellen Kardiologie profitieren", erläutert Schmaltz.
Diese vermeide das erhöhte Reoperationsrisiko und könne auf
vielfältige Weise Residuen durch transkutanen Klappenersatz,
Embolisation von Kollateralgefäßen, Dilatation und Stentimplantation
von Stenosen beseitigen. "Hier sind dem Erfindergeist keine Grenzen
gesetzt", glaubt Schmaltz.

Außerdem wird auch die vor kurzem beschlossene Zusatzausbildung EMAH
für Ärzte in den kommenden Jahren Früchte tragen und die bisherige
Lücke in der medizinischen Versorgung schließen: Bisher haben sich
schon fünf internistische und 25 Kinderkardiologen um eine
Zertifizierung beworben, die ersten Prüfungen finden in diesem Monat
statt. Patienten mit komplizierten angeborenen Herzfehlern und
Fontanzirkulation, Conduit oder Klappenersatz rät Schmaltz, mit einem
zertifizierten EMAH-Mediziner und einem überregionalen EMAH-Zentrum
wie es beispielsweise in Berlin, Essen, München und Münster existiert,
zusammenzuarbeiten.

Den vollständigen Text der "Medizinischen Leitlinie zur Behandlung von
Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern (EMAH)" finden Sie auf der
Homepage der DGK www.dgk.org unter "Leitlinien".

Kontakt:
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK)
Pressestelle
Prof. Dr. Eckart Fleck / Christiane Limberg
Achenbachstr. 43
40237 Düsseldorf

E-Mail: limberg@dgk.org

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz und
Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine
wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit heute mehr als 6640
Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem
Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen
und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927 in Bad
Nauheim gegründet, ist die DGK die älteste kardiologische Gesellschaft
in Europa. Weitere Informationen unter www.dgk.org.

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