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Ausgabe August 2008

 



Auf neuem Weg zum Herzen: 50. neue Herzklappe per Katheter - Essen zählt weltweit zu führenden Zentren (4)

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Universitätsklinikum Essen, Kristina Gronwald
Helmut Breuer hat vor wenigen Tagen seinen 80. Geburtstag gefeiert. Er
ist rüstig und fühlt sich gut. Seine Lebensqualität hat er vor drei
Jahren wieder erlangt, als er im Universitätsklinikum Essen eine
Herzklappe - eine Bioprothese - erhielt. Erstmals wurde diese in
Deutschland per Herzkatheter, ohne Eröffnung des Brustkorbs und ohne
Herz-Lungen-Maschine implantiert. "Mir geht es seit dem Eingriff so
gut", sagt Helmut Breuer, "ich habe 20 Jahre gewonnen."

Wie ihm geht es vielen älteren Menschen: Die am meisten strapazierte
Klappe im Herzen, die so genannte Aortenlappe, ist das Ventil zwischen
der großen linken Herzkammer und der Körperschlagader. Bei jedem
Herzschlag geht die Klappe auf und zu. Im Lauf eines 80-jährigen
Lebens also mehr als 3 Milliarden Mal. Durch die mechanische Belastung
und zusätzliche Faktoren (genetische Faktoren, Risikofaktoren, etc.)
kann eine zunehmende Unbeweglichkeit und Enge der Aortenklappe
auftreten, die mit einer starken Verkalkung einhergeht: eine
Aortenklappenstenose; das Klappenventil ist dicht! Die
Leistungsfähigkeit nimmt rapide ab, Luftnot und Herzschmerzen treten
auf, bis hin zum Bewusstseinsverlust. Einzige Möglichkeit: die
Herzklappe muss ersetzt werden.

Chance für ältere Menschen und Risikopatienten
Bisher wird der Herzklappenersatz fast immer standardmäßig mit einem
chirurgischen Eingriff am still gestellten Herzen unter Vollnarkose,
Durchtrennung des Brustbeines, Anschluss der Herz-Lungen-Maschine und
Eröffnung des Herzens durchgeführt. Aber: Viele der älteren Menschen
haben zusätzliche Krankheitsfaktoren, die das operative Risiko
erhöhen. Helmut Breuer: "Ich hatte schon zwei Bypassoperationen hinter
mir und ich war in vier herzchirurgischen Zentren. Aber keiner wollte
noch mal ran." Auch die Nierenfunktion war bei ihm eingeschränkt.
"Untersuchungen in Europa haben gezeigt, dass bis zu 30 Prozent der
Patienten, die eine neue Herzklappe benötigen, diese nicht erhalten,
weil sie zu alt sind und ungünstige Bedingungen haben - wie
vorausgegangene Herzoperation oder eingeschränkte Nierenfunktion",
sagt Prof. Dr. med. Stefan Sack, Leitender Oberarzt der Klinik für
Kardiologie und Leiter des Aortenklappenprogramms. Für diese Patienten
mit hochgradiger Aortenklappenstenose und hohen Operationsrisiko ist
das neue Verfahren der so genannten "kathetergestützten
Aortenklappenimplantation" gedacht.

Zwei neue Herzklappen
Derzeit werden zwei neue Herzklappen für dieses völlig neue Verfahren
verwendet: Die eine Herzklappe (SAPIEN-Bioprothese; siehe Abbildung 1,
A) besteht aus biologischem Gewebe (Rinderherzbeutel) und ist
zusammengefaltet in ein Stahlgerüst montiert, das dann vor Ort im
Herzen mit einem Ballon aufgedehnt wird. Die andere Herzklappe
(CoreValve; siehe Abbildung 1, B) ist ebenfalls aus biologischem
Material (Pferdeherzbeutel), entfaltet sich jedoch selbst im Herzen,
weil sie in eine Stütze aus Metall mit Erinnerungsvermögen ("store
memory alloy") montiert ist.

...auf zwei neuen Wegen zum Herzen
Prinzipiell stehen den Herzspezialisten, eine Kooperation der Kliniken
für Kardiologie, Herzchirurgie und Anästhesie im Westdeutschen
Herzzentrum, zur Implantation dieser neuartigen Herzklappe zwei
unterschiedliche Zugangswege und Vorgehensweisen zur Verfügung (siehe
Abbildung 2). Je nach Risikoprofil des einzelnen Patienten wird eines
der beiden neuartigen Methoden ausgewählt:

Beim ersten Weg , der so genannten
"transfemoralen" Methode, erfolgt der Zugang zum Herzen über die
Leiste. Der Arzt punktiert die Leistenarterie und schiebt von dort aus
vorsichtig einen Ballon mit der montierten, zusammengefalteten
Bioprothese bis zum Herzen. Sobald er die richtige Position erreicht
hat, dehnt er den Ballon unter hohem Druck auf. Dabei legt sich die
Bioprothese als neue Herzklappe über die alte verkalkte Klappe. "Eine
faszinierende Methode und Ergebnis unserer langjährigen Erfahrungen
mit der Klappenaufdehnung, mit der wir bereits vor 25 Jahren begonnnen
haben und der Herzklappenimplantation vorausgeht", so Professor Dr.
med. Raimund Erbel, Direktor der Klinik für Kardiologie.

Beim zweiten Weg der so genannten"transapikalen" Vorgehensweise, 
die erstmalig in NRW vor drei Jahren
am Universitätsklinikum Essen erfolgreich durchgeführt wurde, wird die
neue Herzklappe über einen kleinen Schnitt unter der linken Brust
durch die Herzspitze eingebracht. Viele Patienten im fortgeschrittenen
Lebensalter haben nämlich zusätzlich auch stark verkalkte Arterien, so
dass die Herzklappe meist nicht über die Leistengefäße eingebracht
werden kann. "Wir können sehr schonend den direkten Weg nehmen, indem
wir mit einem kleinen, rund. fünf Zentimeter langen Schnitt, den
linken Brustkorb zwischen den Rippen eröffnen und direkt den Zugang
für den Herzkatheter mit der zusammengefalteten Klappe über die
Herzspitze wählen. Wir können dabei auf die Herz-Lungen-Maschine
verzichten und ohne Herzstillstand die neue Herzklappe am schlagenden
Herzen einsetzten" beschreibt der Herzchirurg Dr. med. Matthias
Thielmann, Oberarzt der Klinik für Thorax- und Kardiovaskuläre
Chirurgie, das für den Patienten wenig belastende Vorgehen. Die
Bioprothese wird auch hier auf einen Ballon montiert eingebracht und
dann implantiert. "Wir arbeiten im Team mit den Kardiologen und
Anästhesisten zusammen", sagt Professor Dr. med. Heinz Jakob, Direktor
der Klinik für Thorax- und Kardiovaskuläre Chirurgie und unterstreicht
damit das besondere Merkmal des Westdeutschen Herzzentrums Essen.

Die Herzspezialisten sind sich einig, dass beide Methoden bald zum
Standard-Repertoire der Behandlungsmöglichkeiten von Risikopatienten
mit schweren Aortenklappenerkrankungen gehören werden. Mit beiden
Methoden wurden bisher insgesamt 50 Herzklappen am
Universitätsklinikum Essen erfolgreich implantiert, das damit zu den
führenden Zentren in der Welt gehört!

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Nähere Informationen:
Dr. med. Matthias Thielmann, Oberarzt der Klinik für Thorax- und
Kardiovaskuläre Chirurgie, Westdeutsches Herzzentrum Essen,
Universitätsklinikum Essen, Hufelandstrasse 55; 45122 Essen
Fax:+49 (0)201 723-5451; E-Mail: matthias.thielmann@uni-due.de
Priv.- Doz. Dr. med. Holger Eggebrecht, Oberarzt der Klinik für
Kardiologie, Westdeutsches Herzzentrum Essen; Universitätsklinikum
Essen, Hufelandstrasse 55, 45122 Essen,
Fax:+49 (0)201 723-5404; 
E-Mail: stefan.sack@uni-due.de

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