Etwa 30.000 Schwangere in Deutschland von kardiovaskulären
Komplikationen betroffen: DGK gibt Leitlinie über Herzerkrankungen in der Schwangerschaft heraus
Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung
e.V., Christiane Limberg
In Deutschland und anderen Industrienationen treten
bei bis zu vier Prozent aller
Schwangerschaften Komplikationen aufgrund kardiovaskulärer Erkrankungen auf. Experten gehen für Deutschland von
bis zu 30.000 betroffenen Patientinnen jährlich aus. Aufgrund der
wachsenden Zahl von Frauen mit angeborenen Herzfehlern, die
mittlerweile das Erwachsenenalter erreicht haben, soll diese
Patientengruppe pro Jahr um weitere 5000 wachsen. Trotz dieser großen
Zahl hat der behandelnde Arzt vergleichsweise selten mit derartigen
Erkrankungen zu tun. Grund genug für die Deutsche Gesellschaft für
Kardiologie (DGK), nun die Leitlinie "Herzerkrankungen in der
Schwangerschaft" zu veröffentlichen. Sie richtet sich an alle Ärzte,
die Frauen im gebärfähigen Alter behandeln, also an Hausärzte,
Internisten, Gynäkologen und Kardiologen. "Besonders Nicht-Kardiologen
müssen wachsam sein, um ein mögliches Gefährdungspotenzial durch eine
Herzerkrankung zur erkennen und die Schwangere bei Bedarf einer
spezialisierten Behandlung zuzuführen", erläutert Prof. Dr. Vera
Regitz-Zagrosek aus Berlin, die federführende Autorin der neuen
Leitlinie.
Angeborene Vitien, so erklärt Regitz-Zagrosek, stellten mit 74 Prozent
die häufigsten Herzerkrankungen in der Schwangerschaft dar, gefolgt
von erworbenen Klappenerkrankungen mit zirka 15 Prozent.
Kardiomyopathien, Arrhythmien und koronare Herzerkrankungen seien
deutlich seltener. Zu den häufigsten Problemen gehöre auch die
arterielle Hypertonie. In den USA wären davon schätzungsweise 15
Prozent aller Schwangeren betroffen, für Westeuropa ginge man
lediglich von fünf bis sieben Prozent aus. Ein Viertel der stationären
Behandlungen Schwangerer sei auf Bluthochdruck-Komplikationen
zurückzuführen. Ganz anders stellt sich die Situation in
nichtindustrialisierten Ländern dar: Dort machten rheumatische
Herzerkrankungen 90 Prozent aller kardiovaskulären
Schwangerschaftskomplikationen aus.
Patientinnen mit angeborenen Herzerkrankungen oder mit
Klappenerkrankungen rät Regitz-Zagrosek, sich von einem für diese
Krankheiten besonders geschulten Kardiologen beraten zu lassen. "Dies
gilt in besonderem Maße, wenn früher bereits kardiale Ereignisse wie
Herzinsuffizienz, transitorische ischämische Attacke (TIA),
Schlaganfall oder symptomatische Herzrhythmusstörung, Herzinsuffizienz
der NYHA-Klasse II oder Zyanose aufgetreten sind oder eine erhebliche
Belastung des linken Ventrikels durch Aorten oder Mitralklappenvitien
beziehungsweise eine eingeschränkte linksventrikuläre Funktion mit
einer Auswurffraktion unter 40 Prozent vorliegt", berichtet die
Kardiologin, die an der Charité und am Deutschen Herzzentrum Berlin
den Forschungsbereich frauenspezifische Gesundheitsforschung mit
Schwerpunkt Herz-Kreislauferkrankungen und Geschlechterforschung in
der Medizin leitet. Kontraindiziert sei eine Schwangerschaft bei
Frauen mit schwerem Lungenhochdruck, schwerer Herzinsuffizienz,
schweren Aorten- und Mitralfehlern oder einem Marfansyndrom mit
signifikanter Aufweitung der Aorta aszendenz.
Frauen, die schwanger sind oder werden wollen, rät Regitz-Zagrosek
generell dazu, ihr Risiko für Herzerkrankungen gemeinsam mit ihrem
Arzt abzuschätzen. Dazu gehöre die Überlegung, ob bereits
Herzerkrankungen bekannt sind, ob ein Bluthochdruck besteht, eine
Stoffwechselstörung wie Diabetes vorliegt oder ob in der Familie eine
vererbbare Herzerkrankung festgestellt wurde. Besonders Patientinnen
unter 16 Jahren oder Patientinnen über 35 Jahren, so Regitz-Zagrosek,
hätten ein erhöhtes Risiko, im Laufe einer Schwangerschaft
Blutdruckkomplikationen oder eine Präeklampsie zu entwickeln ebenso
wie Patientinnen mit Mehrlings-Schwangerschaften, chronischer
Hypertonie, mit Diabetes oder deutlichem Übergewicht.
Den vollständigen Text der neuen Leitlinie "Herzerkrankungen in der
Schwangerschaft" finden Sie auf der Homepage der DGK www.dgk.org unter
"Leitlinien".
Kontakt:
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK)
Pressestelle
Prof. Dr. Eckart Fleck / Christiane Limberg
Achenbachstr. 43
40237 Düsseldorf
E-Mail: limberg@dgk.org
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