Neuer Herzbericht: Herzinfarkt-Sterblichkeit sinkt,
überdurchschnittliche Kostensteigerungen der
Herzinfarkt-Behandlung
Neues DGK-Projekt für Dokumentation soll Basis für
Versorgungsoptimierung schaffen
32.
Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie
und 19. Jahrestagung der Arbeitsgruppe Herzschrittmacher
und Arrhythmie, Hamburg
Die
Herzinfarkt-Sterblichkeit sinkt weiter, zeigt der
aktuelle Herzbericht, der heute bei der Herbsttagung der
Deutschen Kardiologengesellschaft präsentiert wurde. Die
Todesfälle aufgrund von Infarkten verschieben sich
zunehmend von „draußen" in das Krankenhaus – eine Folge
der verbesserten Notfallversorgung. Weitere Trends: Bei
den Herzkatheterleistungen sind die niedrigsten Zuwächse
seit 1980 zu verzeichnen. Und der Anteil älterer
Menschen an Herzoperierten wird größer. Mit einem neuen
Dokumentationsprojekt der DGK sollen weitere Daten für
eine optimierte Versorgungsplanung erhoben werden.
Hamburg,
Die
Sterblichkeit aufgrund von Herzerkrankungen ist in
Deutschland weiter rückläufig, 2007 ging sie gegenüber
dem Vorjahr weiter um zwei Prozent zurück. Interessante
Entwicklungen gibt es bei den Todesfällen aufgrund von
Herzinfarkten. „Die Zahl der Menschen, die an akutem
Herzinfarkt außerhalb eines Krankenhauses verstorben
sind, ist von 1995 bis 2006 um 23,3 Prozent gesunken,
die der im Krankenhaus Verstorbenen um 22,6 Prozent
angestiegen", so Dr. Ernst Bruckenberger, Autor des
heute auf der Herbsttagung der Deutschen
Kardiologengesellschaft in Hamburg präsentierten
aktuellen Herzberichts. Der Deutsche Herzbericht
analysiert jährlich die Verbreitung und Sterblichkeit
aufgrund von ausgewählten Herzerkrankungen, sowie die
Angebote und Leistungen der Herzmedizin. Da in diesem
Zeitraum die Zahl der Todesfälle aufgrund von akutem
Herzinfarkt insgesamt um knapp elf Prozent gesunken sei,
so Dr. Bruckenberger, „bedeutet dies, dass eine
Verlagerung des Sterbens an akutem Herzinfarkt in die
Krankenhäuser stattgefunden hat. Dies ist unter anderem
eine Folge der Verbesserung der Notfallversorgung und
des Patientenverhaltens."
Akuter Herzinfarkt:
Bessere Notfallversorgung - überdurchschnittliche
Kostensteigerungen
Dieser Fortschritt hat
allerdings seinen Preis: Während die gesamten
Krankheitskosten pro Einwohner zwischen 2002 und 2006
bei Männern um 11,2 und bei Frauen um 5,9 Prozent
angestiegen sind, liegen die Steigerungsraten der Kosten
für Diagnostik und Therapie des akuten Herzinfarkts in
diesem Zeitraum bei 65,3 (Frauen) bzw. 70,1 Prozent
(Männer).
Katheteruntersuchungen und
-interventionen: Niedrigste Zuwächse seit 1980
2007 standen in
Deutschland insgesamt 742 so genannte
Linksherzkatheter-Messplätze für Erwachsene zur
Verfügung, das sind um 13,2 Prozent mehr als im Jahr
davor. Die Zahl der Untersuchungen und Eingriffe stieg
allerdings in nur geringem Maß an: Bei den
Katheteruntersuchungen war ein Anstieg von 3,3 Prozent
zu verzeichnen, bei den Katheter-Interventionen um 3,2
Prozent. 2007 wurden mit insgesamt 261.409 Stents um 4,8
Prozent mehr eingesetzt als 2006. „Der Leistungsanstieg
gegenüber dem Vorjahr ist der geringste seit 1980",
kommentiert Dr. Bruckenberger den Trend. Sogar
rückläufig war der Anteil der arzneimittelbeschichteten
Stents, er hat sich im Vergleich zum Jahr davor von 33
auf 31 Prozent verringert.
Wieder Zuwächse bei
Herzoperationen – immer mehr Op-Kandidaten im hohen
Alter
Steigerungen gab es bei
den Herzoperationen, zitiert Prof. Dr. Arno Krian,
Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-,
Herz- und Gefäßchirurgie, den aktuellen Herzbericht:
„Während in den vergangenen Jahren eine Konsolidierung
der herzchirurgischen Leistungen auf hohem Niveau zu
beobachten war, ist für das Jahr 2007 eine signifikante
Steigerung der insgesamt erbrachten Leistungen
festzustellen. Dies auf der Basis hoher Qualität, trotz
einer auch weiter zunehmenden Komplexität der zu
behandelnden Erkrankungen." In den 80 herzchirurgischen
Zentren wurden im Jahr 2007 insgesamt 157.203
Herzoperationen durchgeführt, das sind um 5,4 Prozent
mehr als 2006. Verantwortlich für die Steigerung waren
Herzklappenoperationen (+6 Prozent) und Operationen
angeborener Herzfehler (+ 9,3 Prozent), während die Zahl
der Bypassoperationen mit einem Minus von 1,8 Prozent
wie schon in den Vorjahren leicht rückläufig war.
Besonders weisen die
Experten auf die Zunahme herzchirurgischer Eingriffe bei
älteren Patienten über 70 Jahren hin, deren Anteil an
allen Operations-Patienten 2007 bereits 50 Prozent
betrug. „Die Besonderheit ist hier nicht nur durch das
Alter per se gegeben, sondern vor allem dadurch, dass
diese Patienten neben der Herzerkrankung sehr häufig an
einer oder mehreren anderen Erkrankung leiden, so dass
die Anforderungen an die herzchirurgische Behandlung
überdurchschnittlich groß sind", so Prof. Krian.
„Darüber hinaus handelt es sich bei den betagten
Patienten in hohem Maß um Kombinationseingriffe, zum
Beispiel Herzklappe und koronarer Bypass."
Neues
Dokumentationsprojekt der DGK
Zu
einer verbesserten Planung präventiver und
therapeutischer Maßnahmen soll jetzt ein neues
Dokumentationsprojekt der Deutschen Gesellschaft für
Kardiologie beitragen, mit dem Prof. Dr. Stefan
Willich (Berlin) beauftragt wurde. Ergänzend zu den
vorhandenen Daten sollen weitere detaillierte
Informationen über Gesamtbelastung und regionale
Unterschiede bei der Herz-Kreislaufsterblichkeit
erhoben werden, um vor allem die Ursachen für
regionale Unterschiede zu analysieren, und damit
eine Voraussetzung für die Planung bestmöglicher
medizinischer Versorgung und
Bevölkerungsintervention zu schaffen.
Kontakt:
Deutsche Gesellschaft für
Kardiologie (DGK)
Pressestelle
Prof.
Dr. Eckart Fleck / Christiane Limberg
E-Mail:
limberg@dgk.org
Bettschart&Kofler Medien-
und Kommunikationsberatung
Die
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und
Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf
ist eine wissenschaftlich medizinische
Fachgesellschaft mit heute mehr als 6700
Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der
Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären
Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen und die
Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927
in Bad Nauheim gegründet, ist die DGK die älteste
kardiologische Gesellschaft in Europa. Weitere
Informationen unter
www.dgk.org.