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Warum zu viel Salz den Blutdruck erhöht
Wissenschaftler des Heidelberger Instituts für Pharmakologie entdecken
zwei Signalwege als grundlegenden Mechanismus / Publikation in "Nature
Medicine"
Viel Salz im Essen kann zu hohem Blutdruck führen. Einen Mechanismus
der krankmachenden Wirkung haben Wissenschaftler des Instituts für
Pharmakologie der Universität Heidelberg jetzt im Tiermodell entdeckt:
Salz fördert die Bildung bestimmter Botenstoffe in der Muskulatur von
Blutgefäßen, die die Muskelzellen zur Kontraktion bringen. Durch den
erhöhten Widerstand in den Blutgefäßen erhöht sich der Blutdruck.
Die Heidelberger Wissenschaftler unter Leitung von Professor Dr.
Stefan Offermanns, Direktor des Heidelberger Instituts für
Pharmakologie, sehen hier einen neuen Ansatzpunkt für die Behandlung
des Bluthochdrucks (Hypertonie), die Vorteile gegenüber den
herkömmlichen Arzneimitteln hätte: Sie schützt vor zu hohem Blutdruck,
birgt aber nicht das Risiko einer überschießenden Blutdrucksenkung,
wie bei herkömmlichen Medikamenten.
Jeder vierte hat hohen Blutdruck / Zu viel Salz in Fertigprodukten
Mehr als ein Viertel der Weltbevölkerung leidet an zu hohem Blutdruck,
einem der wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
wie Schlaganfall und Herzinfarkt. Eine wesentliche Ursache der
Hypertonie, die erhöhte Salzzufuhr, hat in den letzten Jahrzehnten
weiter zugenommen. In den Industrieländern nimmt jeder Erwachsene
zwischen 5 und 10 g Kochsalz pro Tag zu sich, wobei 80 Prozent dieser
Salzmengen den Nahrungsmitteln schon während der industriellen
Verarbeitung zugesetzt werden.
"Wie der Körper akut auf die Einnahme großer Salzmengen reagiert, ist
bekannt", erklärt Professor Offermanns. Um möglichst viel Salz und
Wasser über die Nieren auszuscheiden, wird der Blutdruck erhöht. Auf
welchem Mechanismus die Erhöhung des Gefäßwiderstands beruht, war
bislang jedoch nicht klar. Die Heidelberger Wissenschaftler haben nun
festgestellt, dass verschiedene gefäßkontrahierende Mediatoren, also
Botenstoffe, dafür verantwortlich sind: Sie beeinflussen über so
genannte G-Protein-gekoppelte Rezeptoren die Gefäßmuskulatur.
Kein hoher Blutdruck bei genetisch veränderten "Knockout-Mäusen" trotz
erhöhter Salzzufuhr
Im Modellversuch an der Maus konnten die Wissenschaftler zeigen, dass
die gefäßverengenden Mediatoren über Rezeptoren auf den
Gefäßmuskelzellen zwei parallele Signalwege aktivieren. Einer der
beiden Signalwege wird durch die G Proteine Gq/G11 vermittelt und
führt zu einer höheren Calcium Konzentration in der Gefäßmuskelzelle;
der andere Signalweg wird durch die G Proteine G12 und G13 vermittelt
und führt zur Aktivierung des Proteins Rho.
In genetischen Mausmodellen ("Knockout-Mäusen") wurde je einer der
beiden Signalwege in der Gefäßmuskulatur gezielt ausgeschaltet. Bei
Blockade des Gq/G11-Signalwegs nahm der Basisblutdruck der Tiere
deutlich ab, und die Tiere entwickelten nach vermehrter Salzgabe keine
Hypertonie. Wurde hingegen der zweite, durch G12/G13 vermittelte
Signalweg blockiert, so blieb zwar der normale Blutdruck unverändert,
aber auch diese Tiere entwickelten keinen nennenswerten Bluthochdruck
bei salzreicher Ernährung.
"Diese Befunde zeigen, dass der Gq/G11-vermittelte Signalweg sowohl
für die Aufrechterhaltung des normalen Blutdrucks als auch für die
Entwicklung einer salzabhängigen Hypertonie erforderlich ist", erklärt
Professor Offermanns. Dagegen spiele der G12/G13-vermittelte Signalweg
interessanterweise keine Rolle bei der Aufrechterhaltung des normalen
Blutdrucks, sei aber unabdingbar für die Entwicklung einer
salzinduzierten Hypertonie. Die Entschlüsselung dieses differenzierten
Mechanismus soll nun als Ausgangspunkt für die Entwicklung neuer
Medikamente genutzt werden.
Literatur:
Wirth, A., Benyó, Z., Lukasova, M., Leutgeb, B., Wettschureck, N.,
Gorbey, S., ?rsy, P., Horváth, B., Maser-Gluth, C., Greiner, E.,
Lemmer, B., Schütz, G., Gutkind, S., Offermanns, S. G12/G13-LARG-
mediated signalling in vascular smooth muscle is required for salt-
induced hypertension. Nat. Med. (advance online publication)
(Der Originalartikel kann bei der Pressestelle des
Universitätsklinikums Heidelberg unter contact@med.uni-heidelberg.de
angefordert werden)
Kontakt:
Prof. Dr. Stefan Offermanns
Institut für Pharmakologie
Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 366
69120 Heidelberg
E-mail: Stefan.Offermanns@urz.uni-heidelberg.de
http://www.pharmakologie.uni-hd.de
Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/index.php?id=15presse
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Das Salz in der Suppe: Zu viel davon kann zu hohem Blutdruck führen.
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