Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Robert Koch-Institut
Wann kann einem Menschen das erste Schweineherz transplantiert
werden? Bericht vom 11. Minisymposium Xenotransplantation
Die Übertragung von Zellen und Organen von Tieren auf den Menschen,
die Xenotransplantation, soll helfen, den Mangel an Spenderorganen zu
beheben. Die jüngsten Fortschritte auf diesem Weg diskutierten
Experten im Robert Koch-Institut auf einer Tagung der
Deutschen Arbeitsgemeinschaft Xenotransplantation und der Deutschen
Transplantationsgesellschaft.
"Die Fortschritte der vergangenen Jahre zeigen, dass die neue
Technologie einmal eine wichtige Rolle spielen
könnte, um mehr kranken Menschen mit Transplantationsbedarf zu
helfen", sagte Jörg Hacker, Präsident des Robert Koch-Instituts, bei
der Eröffnung des Treffens. "Aber die Übertragung krankmachender
Erreger vom Tier auf den Menschen muss verhindert werden"
unterstreicht Hacker.
Schweine sind wegen ihres Stoffwechsels, der dem des Menschen ähnelt,
die favorisierten Spendertiere. Um die Abstoßungsreaktionen zu
verringern wurden in den vergangenen Jahren weltweit eine Reihe von
gentechnisch veränderten Tiere gezüchtet und stetig verbessert. Die
Tiere tragen auf ihren Zellen menschliche Immunregulatoren, das sind
Eiweiße, die die Immunantwort beeinflussen. In zwei
Forschungseinrichtungen in Deutschland, in Mariensee und in München,
wurden sogar Tiere gewonnen, die mehrere dieser menschlichen
Regulatoren gleichzeitig tragen.
Im Robert Koch Institut forscht Joachim Denner zur Virussicherheit der
Xenotrans-plantation. Zusammen mit Heiner Niemann vom Friedrich-
Loeffler-Institut in Mariensee hat er gentechnisch veränderte Schweine
gezüchtet, die keine so genannten porcinen endogenen Retroviren (PERV)
freisetzen. PERV stellen ein besonderes Risiko für die
Xenotransplantation dar, da sie im Erbgut aller Schweine vorhanden
sind und menschliche Zellen infizieren können. Die Forscher wollen nun
Schweine züchten, die menschliche Immunregulatoren tragen und
gleichzeitig "PERV-sicher" sind.
Fortschritte gab es weltweit auch bei der Entwicklung von neuen
Behandlungsmethoden für Diabetes durch Insulin produzierende
Inselzellen des Schweins. Pierre Gianello von der Katholischen
Universität Brüssel berichtete in Berlin, dass er diabetische Affen
durch die Transplantation Schweine-Inselzellen bis zu einer Dauer von
sechs Monaten erfolgreich behandelte, ohne dass das Immunsystem der
Affen unterdrückt werden musste. Ein neuseeländisches Unternehmen
führt bereits Studien mit Inselzellen des Schweins beim Menschen
durch.
Die Transplantation eines Schweineherzens in einen Menschen hat Bruno
Reichart vom Klinikum Großhadern im Blick. Reichart ist Sprecher der
von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Transregio-
Forschergruppe Xenotransplanation. Voraussichtlich 2009 soll das
Verfahren bei Affen erprobt werden. In den USA gab es 2006 erste
Übertragungen von Schweineherzen auf Paviane mit beachtlichen
Überlebenszeiten. Studien mit Menschen werden dort für das Jahr 2010
erwartet.
Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft Xenotransplantation wird von Joachim
Denner (RKI) und Ralf Tönjes (Paul-Ehrlich-Institut) geleitet. Dort
arbeiten Transplantationsmediziner, Immunologen, Mikrobiologen,
Virologen, Ethiker, Juristen und Vertreter von Zulassungsbehörden. Das
DAX-Minisymposium findet zum elften Mal statt.
Weitere Informationen: www.rki.de > Gesundheit A-Z >
Xenotransplantation
***************************
Herausgeber
Robert Koch-Institut
Nordufer 20
D-13353 Berlin
www.rki.de
Das Robert Koch-Institut ist
ein Bundesinstitut im
Geschäftsbereich des
Bundesministeriums für Gesundheit
Kontakt
Fax: 030.18754 2265
E-Mail: presse@rki.de
Die gesamte Pressemitteilung erhalten Sie unter:
http://idw-online.de/pages/de/news264206
Bitte
beachten Sie unsere Datenschutzerklärung
hier
|