Koronare Herzkrankheit: Kardiologen und Herz-Chirurgen fordern
stärkeres Miteinander im Interesse der Patienten
74. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie
Mannheim, Ein stärkeres Miteinander im
Interesse der Patienten mit chronischer koronarer Herzkrankheit (KHK)
als Folge von Durchblutungsstörungen fordern namhafte Vertreter der
Kardiologie und der Herzchirurgie gemeinsam auf der 74. Jahrestagung
der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.
Der Hintergrund: Drei bis vier Prozent der Bevölkerung leiden an den
Folgen von Gefäßverengungen mit dem Leitsymptom der Angina Pectoris.
Die Sauerstoffversorgung reicht bei ihnen nicht aus, um den Herzmuskel
unter Belastung ausreichend zu versorgen, was zu schwerwiegenden
Herzrhythmusstörungen und zum plötzlichen Herztod führen kann. Bei 15
Prozent tritt innerhalb von fünf Jahren ein Herzinfarkt, ein
Schlaganfall oder der Tod ein.
2005 wurden in Deutschland 732.468 Patienten mit KHK stationär
behandelt.
Um die Durchblutung wieder herzustellen, stehen Gefäßdehnungen
(perkutane Koronarintervention, PCI) mit oder ohne Stent durch den
Kardiologen, oder Bypass-Operationen durch den Herz-Chirurgen zur
Verfügung. "Gelegentlich entstehen Probleme daraus, dass einerseits
die weniger eingreifende Therapie durch den Kardiologen als 'das
Verfahren der Wahl' bezeichnet und die Bypass-Chirurgie in Frage
gestellt wird und im Gegensatz dazu auch Daten vorliegen, die eine
Überlegenheit der Bypass-Chirurgie demonstrieren", erklärt Prof. Dr.
Friedhelm Beyersdorf (Freiburg).
"Der gelegentliche Dissens der Fachgesellschaften ist eigentlich
überflüssig", so der Kardiologe Prof. Dr. Karl Werdan (Halle/Saale).
Die optimale Therapie der KHK könne auf einer weitestgehend
wissenschaftlich gesicherten Basis erfolgen. "Ihre praktische
Umsetzung für den individuellen Patienten sollte interdisziplinär im
Sinne 'komplementärer Therapieverfahren' erfolgen, idealerweise zum
Beispiel im Rahmen von Fall-Konferenzen", fügt Prof. Beyersdorf hinzu.
Weiterentwicklungen sowohl bei der PCI, zum Beispiel in Form
Medikamenten-beschichteter Stents oder Ballons als auch bei Bypass-
Operationen mittels minimalinvasiver Verfahren oder kompletter
Versorgung mit arteriellen Überbrückungen, bringen immer wieder den
einen oder anderen Kardiologen oder Herzchirurgen in Versuchung, die
von beiden Fachgruppen akzeptierten Indikationen für PCI oder Bypass-
Operationen zugunsten des eigenen Fachgebietes auszudehnen, beobachtet
Prof. Werdan. Dies könne im Einzelfall im Sinne der Umsetzung von
Innovationen in die Patienten-gerechte Therapie durchaus sinnvoll
sein.
Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz und
Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine
wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit heute mehr als 6450
Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem
Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen
und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927 in Bad
Nauheim gegründet, ist die DGK die älteste kardiologische Gesellschaft
in Europa. Weitere Informationen unter www.dgk.org.
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