Expertenempfehlung: CT und MRT in der Herzdiagnostik gezielt einsetzen
74. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie
Mannheim, Moderne bildgebende Verfahren wie
die Herz- und Gefäß-Computertomografie (Kardio-CT) oder strahlenfreie
kardiale Magnetresonanztomografie-Untersuchungen werden zunehmend in
der Herz-Kreislauf-Diagnostik eingesetzt. Bei allem Nutzen eignen sich
diese Verfahren nicht als generelle Alternative zu
Herzkatheteruntersuchungen, Echokardiografie und Co: Sie müssen sehr
gezielt eingesetzt werden, um ihren Nutzen zu entfalten, forderten
Herzspezialisten auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für
Kardiologie (DGK), der größten wissenschaftlichen Veranstaltung zur
Herz-Kreislaufmedizin in Deutschland mit mehr als 6.000 Teilnehmern.
Neue Empfehlung: Kardio-CT in bestimmten Fällen effizienter
"Die Zahl der Koronarangiografien mit CT nimmt rasant zu", beobachtet
Radiologie-Experte Prof. Dr. Jörg Barkhausen (Essen) - dies allerdings
bisher ohne offizielle Leitlinie, wann die Untersuchung
sinnvollerweise den herkömmlichen Verfahren vorzuziehen ist. Jetzt hat
ein unabhängiges internationales Expertengremium, an dem alle
betroffenen Fachrichtungen beteiligt waren, Kriterien für den
optimalen CT-Einsatz zusammengestellt. "Eine CT-Koronarangiografie
wird unter anderem für angemessen gehalten, wenn ein Belastungstest
nicht interpretierbar ist oder mehrdeutig ausfällt" fasst Prof.
Barkhausen zusammen. "Als zweckmäßiges Einsatzgebiet gilt auch die
Definition des Koronarverlaufs bei Vorliegen von Koronaranomalien."
Empfohlen wird die Koronardarstellung mittels CT bei - auch akuten -
Brustschmerzen, bei denen eine Verengung der Herzkranzgefäße möglich
erscheint und das EKG noch keine ausreichend sichere Antwort gibt:
Weil es nicht interpretierbar ist, die körperliche Belastung bei einem
Patienten nicht möglich ist oder akut noch keine EKG-Veränderungen
erkennbar sind.
Die Expertengruppe hat auch klar definiert, wann eine Kardio-CT nicht
angemessen ist, so Prof. Barkhausen: "Das ist immer dann der Fall,
wenn ausgeprägte Symptome für bereits nachgewiesene
Durchblutungsstörungen vorliegen." In solchen Fällen sollte in jedem
Fall eine Katheteruntersuchung durchgeführt werden, weil nur diese
Methode auch die Möglichkeit der sofortigen Intervention bietet.
MR macht gestörte Durchblutung sichtbar
Auch die Zahl von kardialen Magnetresonanz-Untersuchungen (CMR) nimmt
zu, beobachtet der Kardiologe Prof. Dr. Udo Sechtem (Stuttgart): "Ihr
Wert liegt nicht in der Abbildung der Koronararterien, sondern in der
Darstellung funktioneller Störungen." Bei Verdacht auf Erkrankungen
der Herzkranzgefäße ist CMR daher in den Fällen zum Nachweis von
Durchblutungsstörungen angezeigt, bei denen herkömmliche
Untersuchungsmethoden keine ausreichende Antwort bieten.
"Wesentliche Einsatzgebiete der CMR liegen in der Untersuchung von
Patienten mit Erkrankungen, die nicht von den Koronararterien
herrühren", so Prof. Sechtem. "So sind MR-Untersuchungen bei Patienten
mit komplexen angeborenen Herzfehlern eine Domäne der MR. Sie ist aber
auch dann sinnvoll, wenn die Echokardiografie bei Herzinfarkt oder
Herzschwäche nur suboptimale Bilder liefert." Weitere
Anwendungsgebiete sind Herzmuskelerkrankungen sowie
Herzklappenerkrankungen, wenn die Echokardiografie nicht
aussagekräftig ist. Prof. Sechtem: "Sowohl CT als auch CMR werden als
geeignet angesehen, Patienten mit Herztumoren oder Erkrankungen des
Herzbeutels zu untersuchen. Auch bei Patienten mit einem Einriss in
der Hauptschlagader oder vor komplexen Katheterinterventionen vor
Herzrhythmusstörungen sind beide Methoden sinnvoll, um die
diagnostische Genauigkeit zu optimieren."
Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz und
Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine
wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit heute mehr als 6450
Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem
Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen
und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927 in Bad
Nauheim gegründet, ist die DGK die älteste kardiologische Gesellschaft
in Europa. Weitere Informationen unter www.dgk.org.
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