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Ausgabe März 2008

 

 

Ist Olivenöll gesund oder schädlich? Zwei Beiträge befruchten 
die derzeitige Diskussion:
Pressemitteilung Westfaelische Wilhelms-Universität 
Münster

Olivenöl kann zu Arteriosklerose beitragen.  Einfach ungesättigte Fettsäuren haben gesundheitsschädliche 
Wirkung
Cholesterinsenker gehören zu den umsatzstärksten Segmenten des
Pharmamarktes. Aber auch diätetische Maßnahmen und eine gesunde,
fettarme Ernährung sollen helfen, Arteriosklerose zu verhindern. Seit
Jahren predigen Ernährungswissenschaftler die Vorteile mediterraner
Kost. Besonders Olivenöl gilt als gesundheitsfördernd und kann nach
allgemeiner Annahme wirksam zur Senkung des Cholesterinspiegels und
damit der Verhinderung eines Herzinfarktes beitragen. Doch
Untersuchungen von Prof. Dr. Susanne Klumpp vom Institut für
Pharmazeutische und Medizinische Chemie der Universität Münster und
dem Marburger Emeritus Prof. Josef Krieglstein, der in Münster derzeit
als Gastprofessor forscht, legen einen anderen Schluss nahe.

"Zwar lässt sich ein Zusammenhang zwischen mediterraner Kost und
geringerer Herzinfarktrate statistisch eindeutig nachweisen", so
Krieglstein, "doch zu mediterraner Kost gehören viele verschiedene
Komponenten." Dass es ausgerechnet das Olivenöl ist, das so
gesundheitsfördernd wirkt, sei niemals nachgewiesen worden. Im
Gegenteil: Klumpp und Krieglstein konnten jetzt zeigen, dass einige
einfach ungesättigte Fettsäuren wie die Ölsäure aus Olivenöl die
Aktivität der Proteinphosphatase Typ 2C (PP2C) massiv steigern und
damit das Risiko von Arteriosklerose und ernsthaften Herz-Kreislauf-
Erkrankungen eher erhöhen.

Proteinphosphatsen regulieren beispielsweise Enzyme, indem die
Seitengruppen eines Proteins über Phosphatmolekül modifiziert werden,
was zu einer Aktivierung oder zur Signalübermittlung genutzt wird. Sie
spielen damit eine zentrale Rolle in der Zellfunktion. Eine erhöhte
Aktivität von PP2C führt zur so genannten Apoptose, dem programmierten
Zelltod. Allerdings sind dafür relativ hohe Konzentrationen von
einfach ungesättigten Fettsäuren nötig. Diese kann in den Zellen, die
die Gefäßinnenwand auskleiden, den so genannten Endothelzellen,
durchaus erreicht werden. Das bedeutet, dass größere Mengen an
Olivenöl entsprechend große Mengen an Ölsäure freisetzen, die dann zum
vermehrten Untergang von Endothelzellen beitragen.

Die Gefäßwand wird damit durchlässiger für die Fettpartikel und weißen
Blutkörperchen, die eine Arteriosklerose verursachen, indem sie sich
anlagern und so genannte arteriosklerotische Plaques bilden. Wenn
diese platzen, erleidet der Mensch einen Herzinfarkt. Olivenöl könnte
so also die Entwicklung einer Arteriosklerose sogar fördern und nicht
- wie allgemein angenommen - eine Arteriosklerose hemmen.

Die im Labor von Klumpp und Krieglstein erzielten Ergebnisse sind
eindeutig, ungeklärt ist allerdings noch, wie die Vorgänge in einem
intakten Organismus ablaufen. Deshalb wurden gesunde Meerschweinchen
vier Monate lang mit einer ölsäurereichen Diät gefüttert. Danach
konnte allerdings keine Arteriosklerose nachgewiesen werden. "Das kann
aber auch daran liegen, dass Meerschweinchen grundsätzlich nur selten
Arteriosklerose entwickeln", so Krieglstein.

Allerdings hatten die mit Oleat gefütterten Meerschweinchen
statistisch signifikant kleinere und leichtere Herzen als die der
normal gefütterten Kontrollgruppe. Nachgewiesen wurden auch häufiger
geschädigte Herzmuskelzellen. Um ganz sicher zu gehen, dass Ölsäure
auch Herzmuskelzellen und nicht nur die Endothelzellen schädigen kann,
züchtete das Team um Klumpp sie in Zellkultur und behandelten sie
unter definierten Bedingungen mit Ölsäure. Auch hier zeigte sich eine
eindeutige Schädigung von Herzmuskelzellen. "Die landläufige Meinung,
dass Olivenöl gesund ist, muss wohl revidiert werden", so Krieglstein.
"Sicher muss vor einer endgültigen Aussage die Wirkung von Olivenöl
beim Menschen geprüft werden. Aber schon jetzt darf man berechtigte
Zweifel an den so einseitig gepriesenen Vorteilen von Olivenöl haben."

Die Wissenschaftler interessierte in diesem Zusammenhang natürlich
auch die Wirkung mehrfach ungesättigter Fettsäuren. Die anti-
arteriosklerotische Wirkung von so genannten Omega-3-Fettsäuren, wie
sie in Fischöl vorkommen, ist vielfach nachgewiesen. Deshalb mussten
in den experimentellen Modellen von Klumpp auch mehrfach ungesättigte
Fettsäuren untersucht werden. Auch diese Fettsäuren konnten die
Aktivität der Proteinphosphatase steigern, allerdings nur in einer
Konzentration, wie sie im menschlichen Organismus nicht erreichbar
ist. In niedrigen Konzentrationen, wie sie im Körper vorkommen,
konnten die Wissenschaftler dagegen eine schützende Wirkung einer
solchen Fettsäure, der 3-Docosahexaensäure, auf Endothelzellen
nachweisen. Dagegen konnte für Ölsäure und andere einfach ungesättigte
Fettsäuren kein derartiger protektiver Effekt bei niedrigen
Konzentrationen festgestellt werden.

Gesättigte Fettsäuren heben die schädigende Wirkung der einfach
ungesättigten Fettsäuren teilweise wieder auf. Krieglstein und Klumpp
raten zu einer ausbalancierten Zusammensetzung der Ernährung aus
ungesättigten Fettsäuren, die eher in flüssigen Fetten, und
gesättigten Fettsäuren, die eher in festen Fetten wie Butter zu finden
sind.


Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.uni-muenster.de/Chemie.pz/ Institut für 
Pharmazeutische und Medizinische Chemie 



Die gesamte Pressemitteilung erhalten Sie unter:
http://idw-online.de/pages/de/news243891

Kontaktdaten zum Absender der Pressemitteilung stehen unter:
http://idw-online.de/pages/de/institution72


Und hier die Gegenargumente:

Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Olivenöl: Schutzwirkung auf Blutgefäße vielfach belegt

Deutsche Herzstiftung kritisiert Verunsicherung der Verbraucher

Jüngste Medienberichte, die das für die Mittelmeerküche typische Olivenöl 
mit einer schädigenden Wirkung auf die Blutgefäße in Verbindung bringen, 
haben viele Verbraucher verunsichert. 

Mit Bezug auf Laboruntersuchungen an der Universität Münster war dabei 
von beteiligten Wissenschaftlern der
Verdacht geäußert worden, dass die im Olivenöl enthaltene Ölsäure die
Entstehung von Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) fördern könnte.
Experten der Deutschen Herzstiftung jedoch beruhigen: "Diesen
isolierten Reagenzglasversuchen stehen die Ergebnisse zahlreicher auch
bei großen Bevölkerungsgruppen durchgeführter wissenschaftlicher
Untersuchungen gegenüber, die den gesundheitlichen Nutzen der
mediterranen Küche mit Olivenöl als Haupt-Fettlieferant klar belegen",
betont Prof. Dr. med. Helmut Gohlke, Vorstandsmitglied der Deutschen
Herzstiftung und Chefarzt im Herz-Zentrum Bad Krozingen.

Olivenöl stellt - neben viel Obst und Gemüse, reichlich Fisch und
wenig Fleisch - einen sehr wichtigen Bestandteil der mediterranen
Küche dar. Die Schutzwirkung dieser Ernährungsform im Hinblick auf
Gefäßerkrankungen - und mögliche Folgen wie Herzinfarkt und
Schlaganfall - ist mittlerweile unstrittig. Olivenöl, das neben der
Ölsäure eine große Anzahl günstiger Mikronährstoffe enthält, wirkt zum
Beispiel antioxidativ, entzündungs- und gerinnungshemmend.
Insbesondere konnte gezeigt werden, dass sich Olivenöl durch seine
einfach ungesättigten Fettsäuren und Polyphenole günstig auf die
Cholesterinwerte auswirkt. Dies trifft in erster Linie auf kalt
gepresste Öle mit den Bezeichnungen "natives Olivenöl extra" oder
"Olivenöl extra vergine" zu.

"Reagenzglas-Studien lassen normale biologische Prozesse wie Verdauung
und Stoffwechsel unberücksichtigt, weshalb sie generell keine
wissenschaftlichen Beweise für Beziehungen zwischen einer Substanz und
einem Erkrankungsrisiko liefern können", urteilt Prof. Gohlke:
"Deshalb kann man aus Reaktionen im Reagenzglas auch keine
Ernährungsempfehlungen ableiten." Die Verbraucher sollten sich nicht
verunsichern lassen. "Olivenöl - am besten kalt gepresst - ist im
Rahmen einer ausgewogenen mediterranen Ernährung nach wie vor
empfehlenswert, um das Risiko für die Entstehung von Gefäßkrankheiten
zu vermindern oder deren Verlauf günstig zu beeinflussen", betont der
Experte der Deutschen Herzstiftung.


Deutsche Herzstiftung e.V.
Pressestelle
Dr. Klaus Fleck / Pierre König
Fax: 069/95 51 28-313
E-Mail: fleck@herzstiftung.de
 

 

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Die vollständige englischsprachige Kurzversion dieser Studie
(den sog. MEDLINE Abstract) finden Sie hier




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