Sport als Therapie: Positive Effekte bei Herzmuskelschwäche und
koronarer Herzkrankheit
74. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie; Mannheim
Mannheim, Donnerstag, 27. März 2008 - Körperliche Aktivität wird
zunehmend gezielt in der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen
eingesetzt, und das mit beeindruckenden Ergebnissen, berichten
Experten auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für
Kardiologie (DGK).
"Sport als Therapie sollte genau so wie die medikamentöse Therapie mit
klaren Indikationen in individuell angepasster Dosierung unter
ärztlicher Verlaufskontrolle angewendet werden", erklärt Prof. Dr.
Rainer Hambrecht (Bremen) in Mannheim. "Unter diesen Voraussetzungen
sind von einer körperlichen Bewegungstherapie günstige Effekte auf
Mortalität und Morbidität bei koronarer Herzkrankheit und stabiler
chronischer Herzinsuffizienz zu erwarten."
Günstige Wirkung bei Herzinsuffizienz
Unter anderem wurde die positive Wirkung körperlicher Aktivität bei
chronischer Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz, HI) deutlich belegt.
"In der EXTRA-MATCH-Studie mit insgesamt 801 Patienten zeigte sich
eine signifikante Verringerung des relativen Risikos der
Gesamtsterblichkeit um 35 Prozent sowie der Häufigkeit von
Krankenhauseinweisungen um 28 Prozent", berichtet der Experte.
Obwohl die Effektivität dosierter körperlicher
Ausdauertrainingsprogramme bei stabiler chronischer Herzinsuffizienz
unstrittig sei und in Therapieleitlinien eindeutig befürwortet werde,
sei bisher die breite Umsetzung der Empfehlungen ausgeblieben,
kritisiert Prof. Hambrecht. Unter anderem werde auf eine erhöhte
Inzidenz des plötzlichen Herztodes, kardialer Dekompensationen oder
akuter Herzinfarkte bei Akutbelastungen hingewiesen. Prof. Hambrecht:
"Bei genauerer Betrachtung stellt sich jedoch heraus, dass - wenn
überhaupt - Untrainierte gefährdet sind und submaximales
Ausdauertraining schützend wirkt."
In randomisierten Studien führte körperliches Training unter anderem
zu einer Verbesserung der oxidativen Kapazität der Skelettmuskulatur,
zu einer Abschwächung der chronischen Entzündung, zu einer Korrektur
von Störungen der Funktion der Gefäßinnenschicht (Endotheldysfunktion)
und zur Normalisierung einer oftmals gestörten Atmung unter Belastung.
Das führt zu einer Verbesserung der maximalen Sauerstoffaufnahme - je
nach Studie - um 15 bis 29 Prozent.
Training reduziert Sterblichkeit bei Koronarer Herzkrankheit um ein
Drittel
Die umfangreichsten Daten zum Nutzen einer therapeutischen Anwendung
von körperlicher Bewegung liegen bei stabiler Koronarer Herzkrankheit
(KHK) vor. In einer großen Metaanalyse wurden zwei Gruppen von Studien
zur kardialen Rehabilitation analysiert: Studien, die körperliche
Aktivität allein zusammen mit normaler ambulanter Betreuung ("usual
care") der einfachen normalen Behandlung gegenüberstellten und
Studien, die Training als Teil einer multifaktoriellen psychosozialen
Intervention zur Risikofaktormodifikation mit der "usual care"
verglichen. Die positive Wirkung von sportlicher Aktivität ist
eindeutig, berichtet Prof. Hambrecht: "Der Effekt auf die
Gesamtsterblichkeit und die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit ergab für die
Trainingsinterventionen eine 27-prozentige beziehungsweise
32-prozentige Reduktion."
Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz und
Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine
wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit heute mehr als 6450
Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem
Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen
und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927 in Bad
Nauheim gegründet, ist die DGK die älteste kardiologische Gesellschaft
in Europa. Weitere Informationen unter www.dgk.org.
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