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Ausgabe November 2008

 

 

 


Intensive Lipidsenkung hält Herzklappen-Verengung nicht auf.

Europäischer Kardiologenkongress: SEAS-Studie gibt vorläufige
Entwarnung bei Verdacht eines erhöhten Krebsrisikos

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung
e.V.


München,  - Eine Verengung der Aortenklappe
(Aortenklappenstenose) lässt sich durch eine intensive LDL-
Cholesterinsenkung mit einer Simvastatin-Ezetimib-Kombination nicht
aufhalten. Positive Effekte zeigte die Behandlung aber auf das Ausmaß
von Gefäßverengungen (Atherosklerose) und deren Folgen wie die
Notwendigkeit von Bypass-Operationen. Der Verdacht, durch die
Behandlung ein erhöhtes Krebsrisiko zu erzeugen, scheint sich nicht zu
bestätigen. Das ergab die bereits im Vorfeld heftig diskutierte und
heute beim Kongress der European Society of Cardiology (ESC)
präsentierte SEAS-Studie. Der Europäische Kardiologenkongress mit mehr
als 30.000 Teilnehmern findet vom 30. August bis 3. September in
München statt. Der ESC-Kongress ist die größte Mediziner-Tagung
Europas und die größte kardiologische Veranstaltung weltweit.

Die SEAS-Studie sollte der Frage nachgehen, ob eine besonders
aggressive lipidsenkende Therapie das Fortschreiten einer
Aortenklappenstenose bremsen kann. Dies bestätigte sich nicht: Obwohl
sich mit der Kombinationstherapie Simvastatin-Ezetimib die LDL-Werte
um beeindruckende 61 Prozent mehr senken ließen als unter Placebo,
hatte dies keinen Einfluss auf die Herzklappenerkrankung und ihre
Folgen. "Möglicherweise hat das damit zu tun, dass hier die
Lipidsenkung einfach zu spät im Krankheitsverlauf einsetzt, um noch
eine positive Wirkung erzielen zu können", sagte Studienleiter Prof.
Dr. Terje Pedersen (Oslo).

Beim sekundären Endpunkt der Studie, nämlich durch Atherosklerose
bedingte Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Bypass-Operationen
oder Katheter-Interventionen, kam es unter Simvastatin-Ezetimib
insgesamt zu einer 22 Prozent niedrigeren Häufigkeit gegenüber
Placebo. "Das ist ein Effekt der Cholesterinsenkung, wie wir ihn aus
zahlreichen Statin-Studien kennen", so Prof. Pedersen.

Sorge um Krebshäufigkeit

Ein Befund der SEAS-Studie hatte bereits im Vorfeld der heutigen
Präsentation für Aufregung gesorgt. Prof. Pedersen und seine Kollegen
hatten ein vermehrtes Auftreten von Krebsdiagnosen in der mit
Simvastatin und Ezetimib behandelten Gruppe beobachtet - 105 Fälle
versus 70 in der Placebo-Gruppe. Um dem Verdacht eines möglichen
Zusammenhangs nachzugehen, analysierten Epidemiologen der Universität
Oxford die SEAS-Daten gemeinsam mit den Daten aus zwei anderen, noch
laufenden Studien (SHARP und IMPROVE) mit der Ezetimib-Simvastatin-
Kombination. Prof. Pedersen: "Die Metaanalyse der drei Studien hat
bisher den Verdacht auf ein erhöhtes Krebsrisiko nicht bestätigt. Für
diese Einschätzung spricht auch, dass eine Häufung bestimmter Tumoren
fehlt. Die Krebsrate in SEAS dürfte also ein Zufallsprodukt sein."

"Derzeit läuft noch eine andere Studie, in der der Effekt einer
Statintherapie auf die Aortenstenose überprüft wird. Sollte auch diese
keine Wirkung zeigen, werden wir in der Forschung zur medikamentösen
Behandlung dieser Erkrankung wohl einen anderen Weg gehen müssen.
Derzeit bleibt jedenfalls die Operation der Behandlungsstandard",
kommentierte Prof. Dr. Eckart Fleck, Kardiologie-Chef am Deutschen
Herzzentrum Berlin und Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für
Kardiologie die Diskussion auf dem ESC-Kongress zu SEAS.

"Die gute Nachricht aus dieser Studie ist, dass die Rate der
kardiovaskulären Ereignisse durch die LDL-Senkung zurückgeht", so
Prof. Fleck. "Damit zeigt sich erneut, dass die LDL-Senkung
Atherosklerose wirksam bremst. Allerdings war das Ausmaß von 22
Prozent weniger atherosklerotischer Folgen bei 60 Prozent LDL-
Cholesterinsenkung etwas enttäuschend."

Für die Therapieentscheidung in der Praxis zieht Prof. Fleck den
Schluss: "Wir haben keine neue Gewissheit, dass es zusätzlichen Nutzen
über die Statintherapie hinaus bringt, die Simvastatin-Ezetimib-
Kombinationstherapie einzusetzen, aber auch keine Argumente, bei
darauf eingestellten Patienten das Medikament abzusetzen. Um eine
endgültige Schlussfolgerung für den Behandlungsalltag zu ziehen,
müssen wir die noch laufenden Studien abwarten."


Information und Kontakt
B&K Medien- und Kommunikationsberatung; Dr. Birgit Kofler, Mag. Roland
Bettschart
ESC Press Office:
E-Mail: kofler@bkkommunikation.com, 
bettschart@bkkommunikation.com



Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.escardio.org 



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