Offene Vorhofscheidewand des Herzens nur in Ausnahmefällen
verschließen
Berlin - Menschen, die eine offene Verbindung zwischen den beiden
Herzvorhöfen aufweisen und bereits einen Schlaganfall erlitten haben,
wird häufig zu einem interventionellen Verschluss dieser Öffnung
geraten. Eine weitere Therapiemöglichkeit ist die lebenslange Einnahme
gerinnungshemmender Medikamente. Beide Behandlungsansätze zielen
darauf ab, einem erneuten Schlaganfall vorzubeugen. Eine aktuelle
spanische Studie konnte jedoch kein erhöhtes Risiko für einen weiteren
Schlaganfall bei dieser Patientengruppe feststellen. Die Deutsche
Schlaganfall-Gesellschaft mahnt deshalb zur Zurückhaltung bei der
Behandlung. Einen interventionellen Verschluss befürwortet sie nur in
Ausnahmefällen.
Expertenangaben zufolge leidet jeder vierte Mensch an einem
sogenannten offenen Foramen ovale (PFO): Eine Öffnung zwischen den
beiden Herzvorhöfen, die sich normalerweise nach der Geburt schließt,
bleibt lebenslang bestehen. Durch dieses Loch kann in bestimmten
Situationen Blut aus den Körpervenen ohne Umweg über die Lunge in die
Halsschlagader fließen. Gefahr birgt dieser Kurzschluss - Ärzte
sprechen von einem Rechts-Links-Shunt - nur, wenn er Blutgerinnsel ins
Gehirn befördert.
Bei Schlaganfallpatienten, die nicht die klassischen Risikofaktoren
wie Bluthochdruck oder Gefäßverengungen der hirnversorgenden Arterien
aufweisen, findet sich häufig ein derartiges PFO. Obwohl bisher nicht
untersucht wurde, ob ein interventioneller Verschluss erneute
Schlaganfälle verhindern kann, ist dieses Vorgehen gängige Praxis.
Hierzu bringen Ärzte mithilfe eines Herzkatheters ein Schirmchen in
das Herz ein und decken so die Öffnung ab. Als Alternative wird auch
schon nach dem ersten Schlaganfall eine langfristige Behandlung mit
gerinnungshemmenden Medikamenten (Marcumar®) empfohlen. "Jeder
Kathetereingriff ist jedoch riskant und die Einnahme
gerinnungshemmender Medikamente - sogenannter Antikoagulantien - kann
schwere
Blutungen auslösen", warnt Professor Dr. med. Martin Grond,
Vorstandsmitglied der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft und Chefarzt
am Kreisklinikum Siegen. Die Fachgesellschaft rät Ärzten deshalb zur
Zurückhaltung bei der Behandlung, zumal Vorteile und Risiken der
Therapien als nicht ausreichend untersucht gelten.
Der Experte verweist in diesem Zusammenhang auf eine kürzlich in
Spanien an fast 500 Schlaganfallpatienten durchgeführte Studie. "Zwar
erlitt dort einer von zwanzig Patienten in den ersten beiden Jahren
einen zweiten Schlaganfall. Das Risiko war jedoch auch bei Patienten
mit offenem Foramen ovale nicht erhöht, selbst wenn viel Blut durch
den Kurzschluss floss", berichtet Grond. Auch wenn bei den Patienten
eine Aussackung in der Wand zwischen den beiden Vorhöfen bestand - für
viele Ärzte ein klarer Behandlungsgrund - stieg das Schlaganfallrisiko
nicht an. "Die Studie stützt unsere Ansicht, dass ein offenes Foramen
ovale nach einem Schlaganfall nicht zwangsläufig verschlossen werden
muss", so Grond. In ihren Leitlinien empfiehlt die Deutsche
Schlaganfall-Gesellschaft die Gabe von Acetylsalicylsäure. Erst wenn
es unter dieser Therapie zu einem erneuten Schlaganfall kommt, sollten
die Patienten gerinnungshemmende Medikamente erhalten. Eine
Katheterbehandlung wird nur in Ausnahmefällen befürwortet.
Quelle:
Joaquín Serena, Joan Marti-Fàbregas, Estevo Santamarina, Juan Jesús
Rodríguez, María Jesús Perez-Ayuso, Jaime Masjuan, Tomás Segura, Jaime
Gállego, Antonio Dávalos, on Behalf of the CODICIA (Right-to-Left
Shunt in Cryptogenic Stroke) Study; for the Stroke Project of the
Cerebrovascular Diseases Study Group, Spanish Society of Neurology.
In: Stroke 2008; 39: 3131
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Fachgesellschaften, Medizin - Kommunikation, 29.01.2009 15:19
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