Stoffwechsel- und Herz-Kreislauferkrankungen frühzeitig verhindern
Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes Typ 2 sind
auch unter Gesunden weit verbreitet. Dies zeigt die Auswertung
aktueller Daten männlicher Führungskräfte in Hamburg, die an einem
Gesundheits-Vorsorgeprogramm teilnahmen: Jeder zweite Teilnehmer hat
ein erhöhtes Risiko, in den nächsten Jahren an einem Diabetes Typ 2 zu
erkranken. Rechtzeitige Ernährungsumstellung und die Kontrolle des
Körpergewichts können einen Diabetes in diesem Stadium noch
verhindern, erklärt die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG). Die
Experten raten allen Erwachsenen an entsprechenden Programmen
teilzunehmen, auch wenn sie Sport treiben und sich gesund fühlen.
In Hamburg beteiligten sich 1854 leitende Angestellten verschiedener
Konzerne an einem medizinischen, freiwilligen Präventionsprogramm. Dr.
rer. nat. Dr. med. vet. Jutta Haas, vom Hamburger Institut für
diabetologische Versorgungsforschung, und ihre Kollegen analysierten
die Daten der 1565 männlichen Teilnehmer. Diese attestierten sich
vorab einen überwiegend guten Gesundheitszustand. Zwar waren 60
Prozent übergewichtig, doch die meisten trieben aktiv Sport, jeder
vierte sogar mehrmals in der Woche. Ernsthafte gesundheitlich Probleme
oder Krankheiten lagen nur bei wenigen Teilnehmern vor. Die häufigste
Gesundheitsstörung war Bluthochdruck, wovon zwölf Prozent der
Teilnehmer wussten. Die meisten ließen diesen behandeln.
Doch die Resultate der Untersuchungen ergeben ein anderes Bild: Jeder
zweite Teilnehmer hat einen erhöhten Blutdruck, jeder dritte erhöhte
Fettwerte. Bei acht Prozent ist die Konzentration des "guten" HDL-
Cholesterins im Blut vermindert. Außerdem haben 18 Prozent der
Teilnehmer einen erhöhten Blutzucker. Insgesamt hat somit jeder zweite
Teilnehmer ein oder zwei Risikofaktoren des Metabolischen Syndroms.
Ein Metabolisches Syndrom liegt nach Definition von der
Internationalen Diabetes Federation (IDF) vor, wenn zu bauchbetontem
Übergewicht noch zwei weitere Risikofaktoren wie erhöhter Blutzucker,
Störungen des Fettstoffwechsels oder Bluthochdruck hinzukommen.
Neu ist dabei die Grenze des Nüchtern-Blutzuckers. Sie wurde vom IDF
von 110 Milligramm/Deziliter auf 100 Milligramm/Deziliter
herabgesetzt. Diese niedrigere Grenze ist maßgeblich, um das Risiko
eines Metabolischen Syndroms frühzeitig zu erkennen. Denn auch die
Hamburger Studie zeigt: Mit zunehmendem Alter und zunehmendem Body-
Mass-Index der Teilnehmer steigt die Anzahl ihrer Risikofaktoren.
Liegt bei ihnen ein Metabolisches Syndrom mit einem erhöhten
Blutzucker vor, haben sie ein größeres Risiko, in den nächsten Jahren
an Diabetes Typ 2 zu erkranken. Wird das Risiko rechtzeitig erkannt,
ist es jedoch möglich, die chronische Stoffwechselerkrankung durch
eine Ernährungsumstellung und Gewichtskontrolle zu verhindern. Der
neue Grenzwert einer normalen Nüchtern-Glukose von unter 100
Milligramm/Deziliter wird deshalb auch von der Deutschen Diabetes-
Gesellschaft empfohlen.
Quelle:
J. Haas, S. Teufel-Sies, S. Mack, E. Becker, D. Müller-Wieland, T.
Stein
Prävalenz von Komponenten des metabolischen Syndroms
bei höheren Angestellten: Bedeutung der Plasmaglukose-Grenzen
von ? 100 mg /dl versus ? 110 mg /dl
Diabetologie und Stoffwechsel 2008 3: S. 353-360
Informationsdienst
Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Deutsche Diabetes Gesellschaft,
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