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Ausgabe Januar 2009

 


Körpergewicht, Taillenumfang und Sterblichkeitsrisiko in Europa -
Ergebnisse der EPIC-Studie

Potsdam-Rehbrücke -  Starkes Übergewicht, ein großer Taillenumfang
aber auch ein Körpergewicht am unteren Ende des Normalbereichs sind
bei Menschen um die Fünfzig mit einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko
verbunden. Das geringste Risiko haben Frauen mit einem Body-Mass-
Index* (BMI) von 24,3 und Männer mit einem BMI von 25,3. Dies sind die
Ergebnisse der European Prospective Investigation into Cancer and
Nutrition (EPIC), eine der größten europäischen Langzeitstudien
weltweit. Die Studiendaten belegen, dass neben dem Körpergewicht auch
die Fettverteilung für das Sterblichkeitsrisiko von Bedeutung ist.

Tobias Pischon und Heiner Boeing vom Deutschen Institut für
Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) und ihre europäischen
Kollegen veröffentlichten heute ihre Forschungsergebnisse in der
Zeitschrift New England Journal of Medicine (Pischon et al., 2008).

Ob Übergewicht mit einer erhöhten Sterblichkeit einhergeht, war nach
den Ergebnissen früherer Studien bislang umstritten. Dies veranlasste
die beiden Wissenschaftler, Tobias Pischon und Heiner Boeing, die
Daten der europaweiten EPIC-Studie zu dieser Fragestellung
auszuwerten, insbesondere unter Berücksichtigung des Taillen- und
Hüftumfangs. Die Studie biete die größte zurzeit verfügbare Datenbasis
und erlaube somit sehr sichere Schlussfolgerungen zum Zusammenhang
zwischen Körpergewicht und Sterblichkeitsrisiko, kommentiert Hans-
Georg Joost, wissenschaftlicher Direktor des DIfE.

"Das wichtigste Ergebnis unserer Untersuchung ist, dass das
Übergewicht an sich, aber auch unabhängig davon die
Körperfettverteilung das Sterblichkeitsrisiko eines Individuums
beeinflusst", sagt Tobias Pischon, Erstautor der Studie. Denn das
Bauchfett sei nicht nur ein Energiespeicher, sondern es produziere
auch Botenstoffe, die die Entwicklung chronischer Erkrankungen
fördern. Dies könne zum Teil erklären, warum auch schlanke Menschen
mit einem niedrigen BMI aber großem Taillenumfang ein erhöhtes
Sterblichkeitsrisiko besäßen. In der vorliegenden Studie hatten
Schlanke mit viel Körperfett im Bauchraum ein ebenso großes Risiko wie
stark Übergewichtige. "Unsere Ergebnisse unterstreichen damit die
Notwendigkeit, auch bei normalgewichtigen Personen die
Körperfettverteilung durch eine Messung des Taillenumfangs oder des
Taillen-/Hüftumfang-Quotienten zu ermitteln. Eine Einschätzung anhand
des BMI oder des Taillenumfangs allein sei nicht ausreichend", ergänzt
Heiner Boeing, Leiter der Potsdamer EPIC-Studie.

Als Ursache für den beobachteten Zusammenhang zwischen niedrigerem BMI
und erhöhtem Sterblichkeitsrisiko kommt nach Ansicht der
Wissenschaftler auch ein durch Alterungsprozesse oder unerkannte
Krankheiten bedingter Verlust der Muskelmasse in Frage, die im
Vergleich zum Fettgewebe schwerer ist. Menschen, die Gewicht
verlieren, bauen oft mehr Muskeln ab als Fett.

Grundlage der Untersuchung bilden die Daten von 359.387 Teilnehmern
der prospektiven** EPIC-Studie aus 9 europäischen Ländern. Das
Durchschnittsalter der Studienteilnehmer zum Zeitpunkt der ersten
Datenerhebung lag bei 51,5 Jahren. 65,4 Prozent der Teilnehmer waren
weiblich. Während der durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 9,7
Jahren starben 14.723 der Studienteilnehmer. Teilnehmer mit einem
hohen BMI starben im Vergleich zu Teilnehmern mit mittlerem BMI
häufiger an Krebs- oder Herz-Kreislauf- Erkrankungen.
Studienteilnehmer mit einem niedrigen BMI starben hingegen häufiger an
Erkrankungen der Atmungsorgane.

Hintergrundinformation:

*Body-Mass-Index (BMI): Körpergewicht in Kilogramm [kg] geteilt durch
die Körperlänge in Meter zum Quadrat [m2]: kg/m2. Eine 1,70 m große
Frau mit einem BMI von 24,3 würde 70,2 kg wiegen. Ein 1,85 m großer
Mann mit einem BMI von 25,3 würde 86,6 kg wiegen.

Die EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and
Nutrition) ist eine prospektive, 1992 begonnene Studie, die
Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen
Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. An der EPIC-Studie sind 23
administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit 519.000
Studienteilnehmern beteiligt. Die Potsdamer EPIC-Studie mit mehr als
27.500 Studienteilnehmern/innen im Erwachsenenalter leitet Heiner
Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-
Rehbrücke (DIfE).
Übergeordnetes Leitungsorgan der EPIC-Studie ist das EPIC-Steering-
Komitee, wobei Elio Riboli, jetzt am Imperial College London, die
Studie koordiniert. Die zentrale EPIC-Datenbank befindet sich an der
International Agency for Research of Cancer (IARC) der
Weltgesundheitsorganisation in Lyon.

**Bei der Auswertung einer prospektiven Studie ist es wichtig, dass
die Teilnehmer/innen zu Beginn der Studie noch nicht an der zu
untersuchenden Krankheit leiden. Die Risikofaktoren für eine bestimmte
Erkrankung lassen sich so vor ihrem Entstehen erfassen, wodurch eine
Verfälschung der Daten durch die Erkrankung weitestgehend verhindert
werden kann - ein entscheidender Vorteil gegenüber retrospektiven
Studien.

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Zur Leibniz-Gemeinschaft
gehören 82 außeruniversitäre Forschungsinstitute und forschungsnahe
Serviceeinrichtungen. Diese beschäftigen etwa 14.200 Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter. Davon sind ca. 6.500 Wissenschaftler (inkl. 2.500
Nachwuchswissenschaftler). Leibniz-Institute arbeiten interdisziplinär
und verbinden Grundlagenforschung mit Anwendungsnähe. Sie sind von
überregionaler Bedeutung und werden von Bund und Ländern gemeinsam
gefördert. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,1
Milliarden Euro pro Jahr. Die Drittmittel betragen etwa 230 Millionen
Euro pro Jahr. Näheres unter <www.leibniz-gemeinschaft.de>.

Pressemitteilung
Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke, Dr.
Gisela Olias, 12.11.2008 23:00


Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.dife.de Homepage des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung 

Zu dieser Mitteilung finden Sie Bilder unter der WWW-Adresse:
http://idw-online.de/pages/de/image79521
Studienzentren der European Prospective Investigation into Cancer and 
Nutrition (EPIC)

Die gesamte Pressemitteilung inkl. Bilder erhalten Sie unter:
http://idw-online.de/pages/de/news288188

Kontaktdaten zum Absender der Pressemitteilung stehen unter:
http://idw-online.de/pages/de/institution166




 

 

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