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Ausgabe Januar 2009

 


Kleine Pumpe - große Wirkung

100. Linksherzunterstützungssystem VentraAssist im Herz- und
Diabeteszentrum NRW, Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum,
in Bad Oeynhausen implantiert. Das kleine leistungsstarke
Kunstherzsystem passt seine Pumparbeit der körperlichen Belastung des
Patienten an.

Sie ist klein, wiegt nur 298 g und pumpt äußerst zuverlässig: Kürzlich 
setzte das Team um Prof. Dr. Reiner
Körfer (Ärztlicher Direktor des Herz- und Diabeteszentrum NRW),
Oberarzt PD Dr. Gero Tenderich, Oberarzt Dr. Michiel Morshuis und
Oberarzt Dr. Latif Arusoglu, das 100. Linksherzunterstützungssystem
"VentrAssist LVAS" der australischen Firma Ventracor in Europa ein. In
einer 3-stündigen Operation wurde Rainer Ilner aus Kamp-Lintfort eine
kleine Zentrifugalpumpe an die linke Herzkammer und an die
Hauptschlagader angeschlossen, um die Pumpleistung seines eigenen,
geschwächten Herzens zu unterstützen.
VentrAssist Blutpumpe aus Titan
Foto: Ventracor GmbH
 
Das Unterstützungssystem war notwendig geworden, da der 47-jährige
Patient aufgrund einer ausgeprägten Herzmuskelschwäche (Dilatative
Kardiomyopathie) nur noch eine Leistungsfähigkeit von 15 Prozent
hatte. Sein Herz war so geschwächt, dass ihm kleinste Anstrengungen
große Mühe kosteten und immer mit Luftnot verbunden waren. Eine
medikamentöse Therapie reichte nicht mehr aus, um seine schwere
Herzinsuffizienz zu stabilisieren. Eine Herztransplantation wird
notwendig. Doch die Wartezeit auf ein Spenderherz ist lang, mehr als
ein Jahr. Um sie zu überbrücken, wurde ihm jetzt das VentrAssist-
System eingesetzt. "Ohne den Einsatz eines
Linksherzunterstützungssystems hätte Herr Ilner nur noch eine zeitlich
begrenzte Lebenserwartung gehabt", äußerte sich Prof. Dr. Reiner
Körfer zufrieden über den Gesundheitszustand des Patienten, der heute
erste Schritte in seinem Zimmer machte. "Unsere jahrlangen Erfahrungen
zeigen, dass die Überbrückung zur Herztransplantation mittels
Kunstherzsystemen die Ausgangssituation und Überlebenschance des
Patienten vor und nach der Transplantation erhöhen, da die
Durchblutung der abhängigen Organe deutlich verbessert wird."

VentrAssist kann Patienten helfen, die unter terminaler
Herzinsuffizienz (nicht heilbarer Herzmuskelschwäche) leiden und auf
eine Herztransplantation warten. Leider konnten im letzten Jahr nur
376 Herzen bundesweit verpflanzt werden (davon 61
Herztransplantationen im Herz- und Diabeteszentrum NRW), während der
Bedarf an Spenderorganen doppelt so hoch ist. Alternativen rücken
daher in den Blickpunkt: Miniaturisierte, leistungsstarke Pumpen, die
zur Überbrückung bis zur Transplantation und auch als Dauerlösung
implantiert werden können.
Das Linksherzunterstützungssystem VentrAssist gehört zu der neuen
Generation von Herzunterstützungssystemen. Vorteil: der Rotor ist
magnetisch gelagert und somit nahezu verschleißfrei. Darüber hinaus
verbrauchen diese Systeme wenig Energie, die Implantation ist
vergleichsweise einfach und weniger invasiv. VentrAssist hat die
Eigenschaft, sich an den Blutbedarf des Patienten anzupassen. Bei
steigender Aktivität, beispielsweise beim Gehen oder körperlicher
Betätigung des Patienten wirft das System mehr Blut in den
Körperkreislauf aus. Im Ruhezustand nimmt der Blutfluß entsprechend
ab.

Das System VentrAssist besteht aus einer kleinen implantierbaren Pumpe
(Gewicht: 298 Gramm, Durchmesser: 67 mm, Material: Titan), die durch
Rotation den natürlichen Blutstrom unterstützt. Im Inneren der Pumpe
beschleunigt der magnetisch gelagerte Rotor mit ca. 1800  -3000
Umdrehungen pro Minute das Blut. Eine externe Steuereinheit
kontrolliert die Systemleistung und regelt die Energieversorgung von
wieder aufladbaren Batterien oder einem Batterieladegerät. Die
Patienten können sich frei bewegen, die externe Steuereinheit und die
Akkus tragen sie in einem kleinen Rucksack bei sich - ein dauernder
stationärer Aufenthalt ist nicht mehr nötig. Dies sichert nicht nur
das Überleben, sondern verhilft auch zu einer guten Lebensqualität.
Lediglich zu regelmäßigen ambulanten Kontrollen muss Rainer Illner ins
Herz- und Diabeteszentrum NRW nach Bad Oeynhausen kommen.

Seit 1987 werden im Herz- und Diabeteszentrum NRW Patienten mit
Herzinsuffizienz im Endstadium mit den unterschiedlichsten
Herzunterstützungssystemen und Kunstherzen therapiert. Insgesamt rund
1500 Systeme haben die Spezialisten bereits implantiert und verfügen
damit weltweit über die größte Kompetenz und Routine. 1999 wurde von
Prof. Dr. Reiner Körfer, Oberarzt Dr. Latif Arusoglu und Oberarzt Dr.
El Aly Banayosy weltweit das erste komplett implantierbare
Kreislaufunterstützungssystem, das sogenannte LionHeart eingesetzt.
2004 und 2005 folgten weitere Premieren mit der Implantation von den
zentrifugalen Linksherzunterstützungssystemen DuraHeart und CorAide.

Herz- und Diabeteszentrum NRW
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Anja Brandt M.A.
Georgstraße 11, 32545 Bad Oeynhausen
Email: info@hdz-nrw.de

Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.hdz-nrw.de
http://www.ventracor.com 

 

 

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