Angeborene
Herzfehler werden immer besser erkannt und behandelt
(Frankfurt am Main, 30. April 2009) Angeborene
Herzfehler werden dank moderner Ultraschalldiagnostik
immer häufiger bereits vor der Geburt entdeckt.
Für betroffene Kinder ermöglicht das
oft eine besser planbare und damit optimale Behandlung.
Denn Neugeborenenmedizin, Kinderkardiologie und
Kinderherzchirurgie haben sich in den vergangenen
Jahren erheblich weiterentwickelt. Für die
Eltern ist die vorgeburtliche Diagnose eines Herzfehlers
bei ihrem Kind zuerst meist ein Schock. Wenn sie
von ihren Ärzten umfassend beraten werden,
können sie sich jedoch frühzeitig besser
auf die Situation nach der Geburt einstellen.
Den Eltern sollte in diesen Gesprächen bewusst
werden, wie groß der Fortschritt in der
Behandlung von Kindern mit angeborenen Herzfehlern
ist. Darauf weist die Deutsche Herzstiftung zum
Tag des herzkranken Kindes am 5. Mai hin.
In
Deutschland kommt etwa jedes hundertste Kind mit
einem angeborenen Herzfehler zur Welt. Vor der
Geburt wird dieser mittels Ultraschall zum Teil
bei der üblichen Schwangerschaftsvorsorge
festgestellt, zum Teil bei der gezielten Abklärung
einer Risikoschwangerschaft. "Ein erhöhtes
Risiko für einen angeborenen Herzfehler beim
Kind besteht, wenn ein solcher bereits bei der
Mutter, dem Vater oder einem anderen Kind in der
Familie vorgekommen ist", erklärt Prof.
Dr. med. Renate Oberhoffer, Kinderkardiologin
im Deutschen Herzzentrum München und Mitglied
des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung.
Weitere Risikofaktoren seitens der Mutter sind
Diabetes (auch Schwangerschaftsdiabetes), Viruserkrankungen
(wie Röteln) in der Frühschwangerschaft,
bestimmte rheumatische Erkrankungen, die Einnahme
von Medikamenten wie Lithium sowie Mehrlingsschwangerschaften.
Eine
genauere Herzdiagnostik beim Ungeborenen ist auch
angezeigt, wenn im Ultraschall eine erhöhte
Nackentransparenz (Nackenverdickung) beim Kind
sichtbar ist oder andere Auffälligkeiten
wie etwa Chromosomenanomalien festgestellt wurden.
"In der Mehrzahl der Fälle", so
Prof. Oberhoffer, "ermöglicht eine spezielle
Ultraschalluntersuchung des kindlichen Herzens,
die fetale Echokardiographie, entweder einen Herzfehler
auszuschließen oder ihn zuverlässig
zu erfassen." Wurde ein Herzfehler diagnostiziert,
dann sollten der weitere Verlauf der Schwangerschaft,
die Geburt und die unmittelbare Zeit danach von
einem erfahrenen Team mit Ärzten aus verschieden
Disziplinen begleitet werden.
Interdisziplinäre
Beratung der Eltern
Wenn
werdende Eltern erfahren, dass ihr Kind mit einem
Herzfehler zur Welt kommen wird, bedeutet das
in den meisten Fällen eine schwere seelische
Belastung. "In dieser Situation ist es für
die Eltern wichtig, möglichst bald ein ausführliches
ärztliches Beratungsgespräch zu erhalten,
um die Auswirkungen des Herzfehlers, die Prognose
für das Kind und die Behandlungsmöglichkeiten
besprechen zu können", betont Prof.
Dr. med. Michael Hofbeck, Kinderkardiologe an
der Universitätsklinik Tübingen und
ebenfalls Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat
der Deutschen Herzstiftung. Die Beratung sollte
in einem spezialisierten Zentrum oder einer Schwerpunktpraxis
stattfinden, damit sich Geburtshelfer, Kinderkardiologen
und gegebenenfalls Neonatologen, Genetiker und
Kinderherzchirurgen beteiligen können.
"Trotz
der psychischen Belastung der Familie", so
Prof. Hofbeck, "hat die vorgeburtliche Diagnose
eines Herzfehlers sehr viele Vorteile: Die Eltern
können sich in Ruhe und frühzeitig informieren,
Entscheidungen für die Zeit nach der Geburt
treffen und z.B. auch Kontakt mit Elternorganisationen
herzkranker Kinder aufnehmen. Vor allem aber kann
durch eine entsprechende Planung das Kind vor,
während und nach der Geburt optimal behandelt
werden."
Weitere
Informationen im Internet unter: www.herzstiftung.de/kinderkliniken.php