Vorhofflimmern
ist eine fortschreitende und an Häufigkeit
zunehmende Volkskrankheit. In Deutschland sind
rund eine Million Menschen betroffen. Vorhofflimmern
erhöht das Schlaganfallrisiko, beeinträchtigt
die Lebensqualität und ist mit einem vorzeitigen
Versterben assoziiert. Doch diese Folgen der Rhythmusstörung
können durch die aktuell verfügbaren
Behandlungsmöglichkeiten einschließlich
der modernen rhythmuserhaltenden Therapie nicht
zuverlässig verhindert werden. Experten fordern
deshalb eine frühere und umfassendere Versorgung
von Vorhofflimmerpatienten. Dies ist das Ergebnis
eines internationalen Expertengipfels.
Veranstaltet wurde die Konsensuskonferenz, an
der im Oktober 2008 rund 70 Vorhofflimmerspezialisten
aus Wissenschaft und Industrie teilnahmen, gemeinsam
vom Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) und der
European Heart Rhythm Association (EHRA). Initiatoren
sind die Kardiologen Günter Breithardt und
Paulus Kirchhof aus Münster sowie John Camm
aus London und Harry Crijns aus Maastricht. Die
Ergebnisse der Konferenz wurden nun im European
Heart Journal (executive summary [2]) und im Europace
Journal (full paper [1]) publiziert und auf dem
Europace Kongress in Berlin vorgestellt.
In
der Konsensuskonferenz identifizierten die beteiligten
Wissenschaftler Forschungsbedarf in den folgenden
Bereichen:
- Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen
der Rhythmusstörung
- Monitoring und Management der rhythmuserhaltenden
Therapie
- Validierung und Einführung eines umfassenden
kardiovaskulären Risikomanagement bei Vorhofflimmerpatienten
Die
Experten sprachen die Erwartung aus, dass eine
angemessene Behandlung von Vorhofflimmern in Zukunft
wahrscheinlich eine Kombination mehrerer Behandlungsprinzipien
umfassen sollte, nämlich:
- konsequente Behandlung der zugrundeliegenden
und begleitenden Erkrankungen
- kontinuierliche antithrombotische Behandlung
- frühe und umfassende rhythmuserhaltende
Therapie und
- angemessene Regularisierung der Herzfrequenz
Prof.
Kirchhof und die anderen Veranstalter der Konsensuskonferenz
sind zuversichtlich: "Wir hoffen, dass die
Konferenz und die Veröffentlichung der Ergebnisse
dazu beitragen werden, die Forschung zu stimulieren
und die Versorgung von Vorhofflimmerpatienten
zu verbessern."
Das
Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) ist ein interdisziplinäres
deutschlandweites Forschungsnetzwerk mit dem Ziel,
die Versorgung und Behandlung von Vorhofflimmerpatienten
zu verbessern. Das Netzwerk besteht seit 2003
und wird vom Bundesministerium für Bildung
und Forschung (BMBF) gefördert. Die Zentrale
befindet sich am Universitätsklinikum Münster
(UKM), Sprecher ist Prof. Dr. Dr. h. c. Günter
Breithardt, ehemaliger Direktor der dortigen Medizinischen
Klinik und Poliklinik C (Kardiologie und Angiologie).
Die
European Heart Rhythm Association (EHRA) ist die
europäische Fachgesellschaft für Rhythmusstörungen.
Sie ist ein Teil der European Society of Cardiology
(ESC), der Europäischen Gesellschaft für
Kardiologie. Die EHRA ist hervorgegangen aus den
ESC-Arbeitsgruppen für Herzschrittmacher
und Herzrhythmusstörungen.
Literatur
[1] Kirchhof P, Bax J, Blomstrom-Lundquist C,
Calkins H, Camm AJ, Cappato R, Cosio F, Crijns
H, Diener HC, Goette A, Israel CW, Kuck KH, Lip
G, Nattel S, Page R, Ravens U, Schotten U, Steinbeck
G, Vardas P, Waldo A, Wegscheider K, Willems S,
Breithardt G. Early and comprehensive management
of AF: Proceedings from the 2nd AFNET-EHRA consensus
conference on atrial fibrillation entitled "research
perspectives in AF". Europace 2009; im Druck,
online publiziert am 16.06.2009
[2] Kirchhof P, Bax J, Blomstrom-Lundquist C,
Calkins H, Camm AJ, Cappato R, Cosio F, Crijns
H, Diener HC, Goette A, Israel CW, Kuck KH, Lip
G, Nattel S, Page R, Ravens U, Schotten U, Steinbeck
G, Vardas P, Waldo A, Wegscheider K, Willems S,
Breithardt G. Early and comprehensive management
of AF: Exectuvie summary of the proceedings from
the 2nd AFNET-EHRA consensus conference "research
perspectives in AF". Eur Heart J 2009; im
Druck, online publiziert am 17.06.2009