Verengungen
der Herzkranzgefäße sind ein ernst zu
nehmendes Gesundheitsproblem. Für den
Patienten bedeutet dies Brustschmerzen
und Luftnot, im schlimmsten Falle droht
gar der lebensgefährliche Herzinfarkt.
Abhilfe
sollen hier sogenannte Stents schaffen,
kleine Gitterröhrchen, die die Herzkranzgefäße
von innen abstützen und damit für den
Blutfluss offen halten. Diese Stents
können in zusammengefaltetem Zustand
mit Hilfe eines Herzkatheters an der
richtigen Stelle platziert werden. Der
Langzeiterfolg dieser Stentimplantationen
wird jedoch durch das Auftreten von
neuen Wiederverengungen, sogenannten
Restenosen, geschmälert. Als Alternative
wurden daher Stents entwickelt, die
mit einem Medikament beschichtet sind,
welches das Wiederverengen verhindern
oder zumindest verzögern sollte. Aber
auch diese Stents erwiesen sich als
nicht unproblematisch. Durch die Medikamentenbeschichtung
kam es, zusätzlich zu der Reaktion der
Gefäßwand auf einen metallischen Fremdkörper,
zu schlechterer Einheilung in die Gefäßwand
und zum Auftreten von plötzlichen Gefäßverschlüssen
durch Blutgerinnsel. Auch haben bei
beschichteten Stents nur die Gefäßwandteile,
die direkt mit dem Gitter des Stents
in Berührung kommen, mit dem Medikament
Kontakt, die Zwischenräume nicht.
Herzspezialisten am Tübinger Uniklinikum
haben in langjähriger Forschungsarbeit
jetzt eine Alternative entwickelt, die
die Vorteile des unbeschichteten Stents
mit der Wirkung des Medikamentes verbindet
und gleichzeitig die möglichen Nachteile
des beschichteten Stents vermeidet.
In dem neuen Verfahren, das in Tübingen
entwickelt wurde und derzeit nur hier
zum Einsatz kommt, wird ein unbehandelter
Stent eingesetzt und anschließend die
gesamte betroffene verengte Gefäßwand
durch einen speziellen Katheter mit
dem Medikament vollständig getränkt.
Durch den Spezialkatheter ist eine komplette
Benetzung des Engstellenbereichs möglich,
und der unbeschichtete Stent kann trotzdem
gut einheilen.
"Ich forsche schon seit meiner
Doktorarbeit an dieser Technik",
so Prof. Christian Herdeg, der Erfinder
der neuen Methode. Herdeg wurde im Laufe
seiner medizinischen Forschungsarbeiten
bereits viermal für dieses innovative
Verfahren ausgezeichnet. Am 16. Mai
erhielt der 42-jährige Kardiologe in
Mannheim nun zudem den mit 5000 Euro
dotierten Andreas Grüntzig Preis**,
den renommiertesten Preis der auf dem
Fachgebiet der interventionellen Kardiologie
vergeben wird.
Das Verfahren wird am Tübinger Uniklinikum
inzwischen routinemäßig angewandt, und
der Patientennutzen ist durch eine aktuelle
klinische Studie an 204 Patienten (LOCAL
Tax Studie) belegt. "Wir können
damit", so Herdeg, "nicht
nur Patienten helfen, die einen Stent
benötigen, sondern auch denjenigen,
bei denen eine Stentimplantation nicht
sinnvoll oder machbar ist". Hier
ist es möglich, die Engstelle nur mit
dem Ballon aufzudehnen und anschließend
medikamentös zu behandeln. Die Benetzung
mit dem Medikament Paclitaxel führt
dabei schon bei Einmalgabe zu einem
lang anhaltenden Effekt.
Die jetzt erschienene vergleichende
Studie zeigte, dass das Verfahren dem
Einsatz eines nicht beschichteten Stents
überlegen ist und genauso gute Ergebnisse
zeitigt, wie das Einsetzen eines beschichteten
Stents, allerdings ohne die Nebenwirkungen
des beschichteten Stents. "Für
unsere Patienten", so Prof. Herdeg,
"ist das eine wirkliche Verbesserung."
Auch Patienten, die bereits einen Stent
tragen, und durch neuerliche Verengung
an selber Stelle einen zweiten Stent
benötigen würden, kann durch die ballongestützte
Medikamentengabe geholfen werden. Der
Einsatz eines weiteren Stents lässt
sich damit oft sogar ganz vermeiden.