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Ausgabe Juni 2009

 



 

Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Universitätsklinikum Tübingen, Dr. Ellen Katz



 

Hilfe bei Verengungen der Herzkranzgefäße - Tübinger Kardiologen entwickeln Alternative zu beschichteten Stents

Am Tübinger Uniklinikum entwickelte Prof. Christian Herdeg ein Verfahren für Patienten mit verengten Herzkranzgefäßen, dass besser ist als der Einsatz eines unbeschichteten Stents und gleichzeitig die Nachteile des beschichteten Stents vermeidet. Für Patienten mit bestehenden oder wiederkehrenden Herzkranzgefäßverengungen bietet die aktuell durch eine Studie abgesicherte Methode vielversprechende Möglichkeiten. Das derzeit nur am Uniklinikum Tübingen verfügbare neue Verfahren wurde beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim ausgezeichnet.

Verengungen der Herzkranzgefäße sind ein ernst zu nehmendes Gesundheitsproblem. Für den Patienten bedeutet dies Brustschmerzen und Luftnot, im schlimmsten Falle droht gar der lebensgefährliche Herzinfarkt.

Abhilfe sollen hier sogenannte Stents schaffen, kleine Gitterröhrchen, die die Herzkranzgefäße von innen abstützen und damit für den Blutfluss offen halten. Diese Stents können in zusammengefaltetem Zustand mit Hilfe eines Herzkatheters an der richtigen Stelle platziert werden. Der Langzeiterfolg dieser Stentimplantationen wird jedoch durch das Auftreten von neuen Wiederverengungen, sogenannten Restenosen, geschmälert. Als Alternative wurden daher Stents entwickelt, die mit einem Medikament beschichtet sind, welches das Wiederverengen verhindern oder zumindest verzögern sollte. Aber auch diese Stents erwiesen sich als nicht unproblematisch. Durch die Medikamentenbeschichtung kam es, zusätzlich zu der Reaktion der Gefäßwand auf einen metallischen Fremdkörper, zu schlechterer Einheilung in die Gefäßwand und zum Auftreten von plötzlichen Gefäßverschlüssen durch Blutgerinnsel. Auch haben bei beschichteten Stents nur die Gefäßwandteile, die direkt mit dem Gitter des Stents in Berührung kommen, mit dem Medikament Kontakt, die Zwischenräume nicht.

Herzspezialisten am Tübinger Uniklinikum haben in langjähriger Forschungsarbeit jetzt eine Alternative entwickelt, die die Vorteile des unbeschichteten Stents mit der Wirkung des Medikamentes verbindet und gleichzeitig die möglichen Nachteile des beschichteten Stents vermeidet. In dem neuen Verfahren, das in Tübingen entwickelt wurde und derzeit nur hier zum Einsatz kommt, wird ein unbehandelter Stent eingesetzt und anschließend die gesamte betroffene verengte Gefäßwand durch einen speziellen Katheter mit dem Medikament vollständig getränkt. Durch den Spezialkatheter ist eine komplette Benetzung des Engstellenbereichs möglich, und der unbeschichtete Stent kann trotzdem gut einheilen.

"Ich forsche schon seit meiner Doktorarbeit an dieser Technik", so Prof. Christian Herdeg, der Erfinder der neuen Methode. Herdeg wurde im Laufe seiner medizinischen Forschungsarbeiten bereits viermal für dieses innovative Verfahren ausgezeichnet. Am 16. Mai erhielt der 42-jährige Kardiologe in Mannheim nun zudem den mit 5000 Euro dotierten Andreas Grüntzig Preis**, den renommiertesten Preis der auf dem Fachgebiet der interventionellen Kardiologie vergeben wird.
Das Verfahren wird am Tübinger Uniklinikum inzwischen routinemäßig angewandt, und der Patientennutzen ist durch eine aktuelle klinische Studie an 204 Patienten (LOCAL Tax Studie) belegt. "Wir können damit", so Herdeg, "nicht nur Patienten helfen, die einen Stent benötigen, sondern auch denjenigen, bei denen eine Stentimplantation nicht sinnvoll oder machbar ist". Hier ist es möglich, die Engstelle nur mit dem Ballon aufzudehnen und anschließend medikamentös zu behandeln. Die Benetzung mit dem Medikament Paclitaxel führt dabei schon bei Einmalgabe zu einem lang anhaltenden Effekt.

Die jetzt erschienene vergleichende Studie zeigte, dass das Verfahren dem Einsatz eines nicht beschichteten Stents überlegen ist und genauso gute Ergebnisse zeitigt, wie das Einsetzen eines beschichteten Stents, allerdings ohne die Nebenwirkungen des beschichteten Stents. "Für unsere Patienten", so Prof. Herdeg, "ist das eine wirkliche Verbesserung."

Auch Patienten, die bereits einen Stent tragen, und durch neuerliche Verengung an selber Stelle einen zweiten Stent benötigen würden, kann durch die ballongestützte Medikamentengabe geholfen werden. Der Einsatz eines weiteren Stents lässt sich damit oft sogar ganz vermeiden.


 


 




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