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Ausgabe März 2009

 


 

Informationsdienst Wissenschaft - 
idw - Pressemitteilung Klinikum der Universität München

Herzklappen aus Nabelschnurblut-Stammzellen

Körpereigener Herzklappen- und Gefäßersatz könnte Kindern mit
angeborenen Defekten viele Operationen ersparen

Ein signifikanter Anteil von Babys und Kleinkindern mit angeborenen
Herzfehlern benötigt eine künstliche Herzklappe, eine Gefäßprothese
oder Fremdmaterial zur Rekonstruktion der anatomischen Strukturen.
Hierbei sind vor allem Kinder mit Fallotscher Tetralogie, Klappen- und
Gefäßmissbildungen betroffen. Bisher behilft man sich mit fremden
Materialien (z.B. Herzklappen oder Gefäßprothesen aus tierischem
Gewebe), die jedoch alle mit charakteristischen Komplikationen
verbunden sind: Babys und Kleinkinder mit angeborenen Herzfehlern
entwickeln sich z.B. sehr schnell, die Klappen wachsen jedoch nicht
mit. Es muss daher mehrfach operiert werden. Aus diesem Grunde sucht
man gerade für diese Patientengruppe nach einer "idealen Herzklappe"
mit einer lebenslangen Haltbarkeit sowie einem Wachstumspotential und
einer Regenerationsfähigkeit vergleichbar mit eigenem biologischem
Gewebe.

Eine potenzielle Lösung dieses Problems zeichnet sich in Experimenten
der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Bruno Reichart und Oberarzt Priv. Doz.
Dr. Ralf Sodian (Herzchirurgische Klinik der LMU am Klinikum
Großhadern/Labor für Tissue Engineering) ab. Ihnen ist es gelungen,
einen autologen Herzklappenersatz aus humanen Nabelschnur-Stammzellen
zu entwickeln. Bei der aktuellen Arbeit, die bei der diesjährigen
Jahrestagung der "American Heart Association" in New Orleans viel
Aufsehen erregt hat, wurden die Stammzellen aus dem Nabelschnurblut
oder den Nabelschnurgefäßen gewonnen und die entsprechenden Zellen
isoliert. In der Arbeit von Dr. Sodian wurden die Zellen für ca. 3
Monate eingefroren, anschließend rekultiviert und für das Tissue
Engineering einer Herzklappe verwendet. Mit Hilfe dieses Verfahrens
ist es den Forschern gelungen, sowohl vitale als auch funktionsfähige
Herzklappenkonstrukte aus den Vorläuferzellen herzustellen.

Das zukünftige Konzept der Herzchirurgischen Klinik am Klinikum
Großhadern unter der Leitung von Prof. Reichart (www.herzklinik-
muenchen.de) besteht darin, angeborene Herzfehler bereits vor der
Geburt durch pränatalen Ultraschall zu erkennen. Die Eltern können
sich dann dafür entscheiden, die Nabelschnurblut-Stammzellen ihres
Kindes aufbewahren zu lassen. Hier hat die Herzchirurgische Klinik
eine Kooperation mit der Nabelschnurblut-Stammzellbank des
Universitätsklinikums Erlangen aufgebaut. Mit Hilfe eines
Dienstleisters (eticur GmbH) wird das Nabelschnurblut, das ansonsten
verworfen wird, direkt nach der Geburt  nach Erlangen gebracht und
dort aufbereitet, getestet und aufbewahrt. Ziel der Forscher ist es,
später mit Hilfe der gewonnenen Nabelschnurzellen einen körpereigenen
Herzklappen- bzw. Gefäßersatzersatz für diese Kinder herzustellen und
schließlich auch in Großhadern zu implantieren. Um die
"maßgeschneiderten" Prothesen bei Kindern oder jungen Erwachsenen auch
tatsächlich sicher verwenden zu können, sind noch einige
wissenschaftliche Detail- und Zulassungsfragen zu klären. Dieses
Projekt wurde bisher vom Bundesministerium für Bildung und Forschung
(BMBF) unterstützt.

Ansprechpartner:
Dr. Bruno Meiser
Dr. Ralf Sodian
Herzchirurgische Klinik, Campus Großhadern
Marchioninistraße 15
81377 München
E-mail: ralf.sodian@med.uni-muenchen.de

Klinikum der Universität München
Im Klinikum der Universität München (LMU) sind im Jahr 2007 an den
Standorten Großhadern und Innenstadt etwa 500.000 Patienten ambulant,
poliklinisch, teilstationär und stationär behandelt worden. Die 44
Fachkliniken, Institute und Abteilungen verfügen über mehr als 2.300
Betten. Von insgesamt 9.700 Beschäftigten sind rund 1.700 Mediziner.
Forschung und Lehre ermöglichen eine Patientenversorgung auf höchstem
medizinischem Niveau. Das Klinikum der Universität München hat im Jahr
2007 etwa 57 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben und ist seit
Juni 2006 Anstalt des öffentlichen Rechts.


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