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Studie Kölner Notfallmediziner zeigt Chancen besserer Wiederbelebung
nach Herz-Kreislauf-Stillstand
Untersucht wurde die Wirksamkeit der Lysetherapie(1). Die Ergebnisse
der Studie werden am 18. Dezember 2009 im weltweit führenden
medizinischen Fachjournal "New England Journal of Medicine" (NEJM)
veröffentlicht. Insgesamt brachte die Lysetherapie zwar keine
sichtlichen Überlebensvorteile (bei einer insgesamten Überlebensrate
von 15 Prozent), aber: Patienten, die einen Kreislaufstillstand
aufgrund einer Lungenembolie erleiden half die Lysetherapie: Von ihnen
überlebten nur Patienten, bei denen das in der Studie untersuchte
Thrombolytikum zum Einsatz kam.
Unter der Federführung von Professor Dr. Bernd Böttiger, Direktor der
Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin der Uniklinik
Köln und Vorsitzender des Europäischen Wiederbelebungsrates, wurde nun
diese größte Studie, welche die Lysetherapie bei
Wiederbelebungsmaßnahmen nach akutem Herz-Kreislauf-Stillstand testet,
abgeschlossen. An der Studie nahmen europaweit insgesamt 1.050
Patienten in 70 Studienzentren teil.
Untersucht wurde die Wirksamkeit des Wirkstoffes Tenectplase
(MetalyseR), eines Produkts der Firma Boehringer Ingelheim, das
bereits als "Thrombolytikum" für die Auflösung von Blutgerinnseln
vielfältig im Einsatz ist.
In der jetzt veröffentlichten klinische Studie TROICA ("Thrombolysis
in Cardiac Arrest") erhielt die Hälfte der 1.050 Patienten das
gerinnungslösende Medikament, die andere Hälfte ein wirkungsloses
Scheinpräparat (Placebo). Teilnehmer der Studie waren Patienten, die
wegen eines Herzstillstands vom Notarzt beziehungsweise vom
Notfallteam behandelt wurden. Zunächst wurden alle erforderlichen
Standard-Maßnahmen der Wiederbelebung durchgeführt, dann erhielten die
Patienten zusätzlich das Testmedikament. Der mögliche zusätzliche
Erfolg der neuen Therapie wurde daran gemessen, wie viele behandelte
Patienten im Vergleich die Intensivstation erreichten und wie viele
den Herz-Kreislauf-Stillstand 30 Tage und mehr überlebten. Ein
weiteres wichtiges Kriterium war die Fähigkeit der Patienten, in ihren
Alltag zurückzukehren.
Die vorliegende Studie ist eine der größten Untersuchungen zum Einsatz
von Medikamenten, die jemals in der Notfallmedizin durchgeführt wurde.
Sie begann Anfang 2004 und lief über zwei Jahre. Sie unterstützt die
Empfehlung der derzeit gültigen Reanimationsleitlinen, nach denen ein
routinemäßiger Einsatz eines Thrombolytikums bei Patienten mit
Kreislaufstillstand nicht empfohlen wird. Gleichzeitig unterstreicht
sie die mögliche Bedeutung dieser Therapie bei Patienten mit
Kreislaufstillstand aufgrund einer Lungenembolie.
Jeden Tag sterben in Europa etwa 1.000 Menschen an einem plötzlichen
Herztod; in Deutschland sind es etwa 100.000 Todesfälle pro Jahr.
"Trotz Wiederbelebung und dem Einsatz eines Defibrillators überlebte
bisher nur etwa jeder zehnte der betroffenen Patienten", erklärt
Professor Böttiger. Ursache des plötzlichen Herzstillstandes ist bei
zwei Drittel der Patienten ein Herzinfarkt oder eine Lungenembolie,
also ein Verschluss der Blutgefässe durch Blutgerinnsel.
Treten diese beiden lebensbedrohlichen Ereignisse weniger akut auf,
gehört die "Lysetherapie", die Auflösung des Blutpfropfens mit
Medikamenten - neben anderen Verfahren - schon seit Jahren zur
Standardtherapie.
Dass auch Patienten mit einem plötzlichen Herzstillstand von der
Lysetherapie profitieren, hatten frühere Untersuchungen und die
Beobachtung von Einzelfällen nahe gelegt. "Auf einen Herz-Kreislauf-
Stillstand reagiert auch die Blutgerinnung überschießend, und es
besteht die Gefahr, dass sich im ganzen Körper kleine Blutgerinnsel
bilden", erklärt Professor Böttiger, der sich seit Jahren mit diesen
Phänomenen wissenschaftlich beschäftigt.
(1): Lysetherapie bezeichnet den Einsatz von Medikamenten zur
Auflösung von Blutgerinnseln.
Literatur:
1. Nolan JP, Deakin CD, Soar J, Böttiger BW, Smith G; European
Resuscitation Council. European Resuscitation Council guidelines for
resuscitation 2005. Section 4. Adult advanced life support.
Resuscitation. 2005 Dec;67 Suppl 1:S39-86
2. www.erc.edu
Für Rückfragen:
Professor Dr. med. Bernd W. Böttiger
Sina Vogt
Leiterin Stabsstelle Kommunikation Uniklinik Köln
E-Mail: pressestelle@uk-koeln.de
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