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Auch
Sportmuffel können dem Herzinfarkt entgehen
Mehr Bewegung und weniger Kalorien: Forscher am Universitätsklinikum
Essen haben jetzt ergründet, warum diese einfache Formel
den Körper vor Herzinfarkten schützen
kann. (4)
Der
demographische Wandel stellt unsere Gesellschaft vor neue
Herausforderungen: Dank der verbesserten medizinischen Versorgung
wird die Menschheit in der westlichen Welt immer älter.
Mit steigendem Alter potenziert sich jedoch auch die Gefahr,
einen schweren Herzinfarkt zu erleiden. Ein natürlicher
Schutzmechanismus, den das Herz in sich trägt, geht nach
und nach verloren. Doch es gibt auch eine gute Nachricht:
Dieser Verlust der "Kardioprotektion", wie die angeborene
Herzschutzfunktion in der Medizin genannt wird, lässt
sich rückgängig machen - und zwar mit einem ganz
einfachen Rezept: Viel Bewegung und kalorienreduziertes Essen
bringen die Herzmuskeln wieder auf Trab.
Natürlich
gelten sportliche Betätigungen und bewusste Ernährung
schon seit langer Zeit als Hausrezept für ein langes
Leben ohne Herzinfarkt. Doch jetzt sind Forscher am Universitätsklinikum
Essen dem Mechanismus, der dahinter steckt, auf der Spur.
Den
Umbauprozessen der Muskelzellen auf der Spur
"Zellbestandteile,
insbesondere die Mitochondrien, verändern sich mit
dem Alter, deshalb kann es verstärkt zu Veränderungen
im Erbgut und der Funktion von Herzmuskelzellen kommen",
erklärt Privatdozentin Dr. Kerstin Böngler vom
Universitätsklinikum Essen, die für ihre Untersuchungen
der Mitochondrienfunktion beim Herzinfarkt von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft gefördert wird. In den Zellen
entstehen freie Radikale, die wiederum die DNA und Proteine
beschädigen und dadurch zu Zellveränderungen und
in letzter Instanz auch zum Zelltod führen können.
"Dadurch wird das Herz stark geschädigt und verliert
seinen Schutz vor Herzinfarkten", so Böngler.
"Es sind ganz bestimmte Proteine, die mit dem Alter
verloren gehen und für den Verlust des Schutzes vor
dem Herzinfarkt verantwortlich sind. Andere Proteine wiederum
sind nicht betroffen", ergänzt Professor Dr. Gerd
Heusch, Direktor der Pathophysiologie am Essener Uniklinikum.
Die Wissenschaftler haben untersucht, welche Signalmoleküle
das Herz vor dem Infarkt schützen. In den Mittelpunkt
stellten sie dabei die so genannte Ischämische Präkonditionierung,
die die Wucht eines Herzinfarktes im Vorfeld abfedern kann.
Für diese Präkonditionierung wird die Durchblutung
der Herzmuskulatur kurzzeitig unterbrochen, dadurch werden
Prozesse in den Muskelzellen in Gang gesetzt, die das Herz
vor ähnlichen Reizen schützen. Kommt es dann zu
einem richtigen Herzinfarkt, sind dessen Auswirkungen deutlich
geringer. Bei älteren Menschen nimmt dieser Schutzmechanismus
jedoch stetig ab, eine Ischämische Präkonditionierung
wirkt dann nicht mehr so effektiv - mehr Gewebe stirbt ab,
weil das Herz weniger geschützt ist.
Weniger
Kalorien und mehr Sport = der Herzschutz wird wieder hergestellt
Die
Essener Forscher haben jedoch nicht nur dieses Phänomen
beobachtet, sondern verfolgen nun auch das Ziel, den Verlust
des Herzschutzmechanismus umzukehren. Eine deutliche Drosselung
der Kalorienzufuhr und moderate körperliche Bewegung
können dem Trend entgegenwirken.
Regelmäßige
körperliche Betätigung führt dazu, dass mehr
Antioxidantien gebildet werden, die freie Radikale in den
Zellen abfangen können. Zudem wird erreicht, dass sich
die Proteine wieder stabilisieren und dem Zelltod entgegengewirkt
wird. Im Modellversuch mit Tieren stellte sich heraus, dass
der körpereigene Herzschutz durch sportliche Betätigung
teilweise wiederhergestellt werden kann, das Ergebnis lässt
sich noch weiter verbessern, indem man Sport und eine Kalorienreduktion
miteinander kombiniert. Auch die Kalorienreduktion verbessert
die Funktion der Mitochondrien auf molekularer Ebene. "Die
gute Nachricht dabei ist, dass schon leichte körperliche
Betätigung ausreicht, um den maximalen Effekt zu erzielen",
sagt PD Dr. Kerstin Böngler, die auch Couch-Potatoes
Hoffnung macht: "Die positive Wirkung von mehr Bewegung
lässt sich auch im höheren Alter noch erreichen,
selbst wenn man vorher nie Sport gemacht hat", erklärt
sie.
Informationsdienst
Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Universitätsklinikum Essen, Anne Bolsmann
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