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Diagnostik Koronare Herzkrankheit. Den
Teufelskreis durchbrochen. (6.)
Hoffnung
für Patienten mit Arteriosklerose - Experimentelle
Radiologie der Berliner Charité entwickelt Gefäßkatheter,
der die Narbenbildung in den Gefäßwänden
unterdrückt.
Sie ist Segen und Fluch zugleich: Jede Behandlung mit einem
Ballonkatheter provoziert die Narbenbildung an der Gefäßinnenwand,
weil durch das Dehnen des verstopften Gefäßrohres
mikrofeine Verletzungen entstehen. Unangenehme Folge sind
erneute Verengungen der Arterien, weitere Gefäßweitungen
werden nötig... Ein Teufelskreis, den Professor Ulrich
Speck, Mitarbeiter einer Arbeitsgruppe der Berliner Radiologie
nun durchbrochen hat. Der von ihm in Zusammenarbeit mit
der Kardiologie und verschiedenen Firmen entwickelte Katheter
ist mit einem speziellen Wirkstoff beschichtet, der die
Narbenbildung verhindert. Das Gefäß bleibt dauerhaft
offen. Bereits im Dezember erhielt die Arbeitsgruppe den
Innovationspreis Berlin /Brandenburg. Jetzt wird der Katheter
für den Markt zugelassen und künftig auch außerhalb
klinischer Prüfungen für Patienten zum Einsatz
kommen.
Kontaktzeit
von nur einer Minute
Der Wirkstoff der Katheterbeschichtung heißt
Paclitaxel und ist der Medizin aus der Krebstherapie bekannt.
Paclitaxel unterdrückt die Zellteilung und hindert
Krebszellen damit am Wachstum. Diese Wirkung machten sich
Professor Speck und sein Team zunutze, denn um Zellwucherung
geht es auch bei der Narbenbildung in Folge der Gefäßweitung.
"Geheimnis unseres Katheters ist die schnelle und konzentrierte
Freigabe von Paclitaxel. Wenn wir den Ballon am Ort der
Gefäßverengung aufblasen, reicht die Kontaktzeit
von etwa 60 Sekunden aus, damit der Wirkstoff an den Gefäßwänden
seine Wirkung tut", erklärt Prof. Speck.
Nachbehandlungsquote
sinkt deutlich
Und die Wirkung hält an. Die kürzlich vorgelegte
Zwei-Jahres-Studie zeigt: Durch die neue Beschichtung sank
die Notwendigkeit einer Wiederholungsbehandlung von 37 Prozent
auf 6 Prozent an den Herzkranzgefäßen und von
52 Prozent auf 15 Prozent in den Beinarterien. Bei den zukünftigen
Einsatzgebieten von Paclitaxel-Kathetern hat Prof. Speck
vor allem die schweren Fälle im Blick: "Der relativ
sanfte Eingriff bietet große Erfolgsaussichten und
lässt uns hoffen, dass damit gerade schwer behandelbare
Patienten zu therapieren sind. Wir helfen besonders den
Patienten, die häufig eine lange Leidensgeschichte
mit teilweise über zehn Katheter-Behandlungen hinter
sich haben."
Neue
Wege bei der Behandlung einer Volkskrankheit
Die Arterienverengung (Arteriosklerose) kommt in Deutschland
sehr häufig vor. Ausgelöst durch den natürlichen
Alterungsprozess, einen falschen Lebensstil mit fettreicher
Ernährung und wenig Bewegung, Diabetes, aber auch aufgrund
genetischer Veranlagung leiden etwa zweieinhalb Millionen
Menschen an Verengungen und Verstopfungen der Blutgefäße.
Die Entwicklung einer neuen Katheter-Generation, mit der
sich die Narbenbildungsquote reduzieren lässt, hat
daher auch enorme ökonomische Dimensionen. Das Markpotenzial
wird von der Technologiestiftung Berlin (TSB), die weitere
Projekte der Arbeitsgruppe fördert, auf etwa 500 Millionen
Euro jährlich geschätzt.
Informationsdienst
Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
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