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Informationsdienst
Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS),
Meike Drießen
Fibromyalgiesyndrom: Nur Herzkreislauftraining lindert alle
Symptome
Gegen
die Symptome des Fibromyalgiesyndroms (FMS) - chronische
Schmerzen, Schlafstörungen und körperliche und
seelische Erschöpfbarkeit - hilft Herzkreislauftraining
am umfassendsten und am nachhaltigsten. Diese Erkenntnis
präsentierten Forscher beim Deutschen Schmerzkongress
2009 in Berlin. Sie hatten eine Metaanalyse aller Studien
zum Fibromyalgiesyndrom durchgeführt. Nichtmedikamentöse
Therapien rufen weniger Nebenwirkungen hervor als Medikamente.
Die meisten Therapieverfahren - abgesehen vom Herzkreislauftraining
- wirken nur gegen bestimmte Symptome wie Schmerzen oder
Schlafstörungen.
Umstritten:
Ursachen und Therapie
Sowohl
die Ursachen des FMS als auch seine Therapie sind umstritten.
Zahlreiche medikamentöse und nicht-medikamentöse
Verfahren werden den Patienten angeboten bzw. von diesen
selbst angefragt. - Welche sind wirksam? Diese Frage ergründeten
die Forscher anhand einer Studienauswertung (Metaanalyse),
um die Leitlinie zur Behandlung des FMS zu aktualisieren.
Medikamente:
Hohe Nebenwirkungs- und Abbruchraten
Die
verschiedenen Substanzklassen von Antidepressiva sind bei
den Kernsymptomen des FMS unterschiedlich wirksam, berichtete
Prof. Dr. Claudia Sommer (Klinik für Neurologie der
Universität Würzburg). Das Nervenschmerzmittel
Pregabalin reduziert Schmerzen und Schlafstörungen,
nicht jedoch Depressivität und Müdigkeit. Die
Wirksamkeit einer medikamentösen Therapie war nur für
eine Dauer bis zu 6 Monaten belegbar. Eine medikamentöse
Therapie ist mit relativ hohen Nebenwirkungs- und Abbruchraten
verbunden. Schwerwiegende Nebenwirkungen sind jedoch selten.
Die Anwendbarkeit der Studien auf die klinische Praxis ist
eingeschränkt, da die Studien in spezialisierten Zentren
durchgeführt wurden und Patienten mit schweren körperlichen
Erkrankungen und seelischen Störungen ausgeschlossen
wurden.
Nichtmedikamentöse
Therapien wirken länger
Besser
lassen sich die Ergebnisse der Studien zur nichtmedikamentösen
Therapie auf die klinische Praxis übertragen, da auch
Patienten mit seelischen Störungen in die meisten Studien
eingeschlossen wurden. Die Abbruch- und Nebenwirkungsraten
waren niedriger als in den Medikamenten-Studien, so PD Dr.
Jost Langhorst (Innere Medizin V, Naturheilkunde und integrative
Medizin der Kliniken Essen-Mitte) und Dr. Winfried Häuser
(Klinik für Innere Medizin 1 des Klinikums Saarbrücken).
Im Gegensatz zu Medikamenten gibt es Hinweise für einige
anhaltende positive Effekte auch nach dem Ende der Therapie.
Akupunktur und Spa-Therapie reduzieren nur die Schmerzen,
kognitive Verhaltenstherapie nur die Depressivität,
nicht jedoch die anderen Symptome. Nur Herzkreislauftraining
hat eine positive Wirkung auf alle Kernsymptome des FMS.
Die Aussagen der Studien zu komplementären Verfahren
sind durch die mangelnde methodische Qualität der meisten
Studien eingeschränkt.
Mathematische
Berechnung der Wirksamkeit
Alle
Studien zu den verschiedenen Behandlungsmethoden wurden
mit denselben Methoden analysiert und ausgewertet, um das
höchste Maß von Vergleichbarkeit zu gewährleisten.
Die Wirkungen der Verfahren auf die Hauptsymptome des FMS
- Schmerz, Müdigkeit. Schlafstörungen, depressive
Stimmung - wurden berechnet. Weiterhin haben die Forscher
die Nebenwirkungsraten bzw. Abbruchraten in den Studien
analysiert und überprüft, ob die Ergebnisse der
Studien überhaupt auf die Patienten im klinischen Alltag
anwendbar sind. Einige Metaanalysen wurden im Laufe des
Jahres 2009 in hochrangigen Zeitschriften veröffentlicht,
einige Metaanalysen wurden beim Deutschen Schmerzkongress
erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.
Fakten
Fibromyalgiesyndrom
Drei
bis fünf Prozent der Deutschen leiden unter Fibromyalgiesyndrom,
das zu den häufigsten chronischen Schmerzsyndromen
in rheumatologischen und schmerztherapeutischen Einrichtungen
gehört. Am häufigsten betroffen sind Frauen zwischen
40 und 60 Jahren. Die meisten Patienten leiden zusätzlich
unter weiteren chronischen körperlichen (z. B. Magen-Darmbeschwerden)
und seelischen Beschwerden (z. B. Niedergeschlagenheit).
30 bis 80% haben begleitende seelische Störungen wie
Depressionen oder Angststörungen. Patienten mit FMS
verursachen hohe Krankheitskosten durch Inanspruchnahme
medizinischer Leistungen, Krankschreibung und Frühberentung.
Eine Heilung des FMS ist nicht möglich.
Leitlinien
im Internet
Unter
Koordination der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung
für Schmerztherapie DIVS wurde eine Leitlinie zu Ursachen,
Diagnose und Therapie des FMS entwickelt, die im Internet
abrufbar ist: http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/041-004.htm
Die Patientenversion steht unter http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/041-004p.htm
Literatur
Häuser
W, Bernardy K, Üceyler N, Sommer C. Treatment of fibromyalgia
syndrome with antidepressants - a meta-analysis. JAMA 301
(2009) 198-209
Langhorst J, KLose P, Musial F, Häuser W. Efficacy
of hydrotherapy in fibromyalgia syndrome - a meta-analysis
of randomized controlled clinical trials. Rheumatology 2009,
Jul 16 epub
Häuser W, Bernardy K, Üceyler N, Sommer C. Treatment
of fibromyalgia syndrome with gabapentin and pregabalin
- a meta-analysis of randomized controlled trails. PAIN
2009, june 16 epub
Häuser W, Eich W, Herrmann M, Nutzinger DO, Schiltenwolf
M, Henningsen P. Klinische Leitlinie Fibromyalgiesyndrom.
Klassifikation, Diagnose und Behandlungsstrategien. Dtsch
Arztebl Int 106[23] (2009) 383-391
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