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Wissenschaft - idw - - Pressemitteilung
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 13.01.2003
Herzkrank
durch Vitamin D-Mangel?
Wissenschaftler
der Universität Bonn haben in Kooperation mit dem Herzzentrum
Bad Oeynhausen nach den Ursachen der Herzinsuffizienz gefahndet.
Sie fanden "deutliche Hinweise", dass eine Unterversorgung
mit Vitamin D zur Entstehung der Krankheit beiträgt.
Ihre Ergebnisse haben sie nun im angesehenen Journal of the
American College of Cardiology veröffentlicht (Vol. 41
Nr. 1, 2003, S. 105-112).
Die Zahlen
sind dramatisch: 15 Millionen Menschen weltweit leiden unter
einer Herzinsuffizienz, ein bis drei Prozent aller Deutschen
sind betroffen, jeder hundertste Euro, den die Krankenkassen
zahlen, wandert in Diagnose, Therapie oder Prävention
der chronischen Herzschwäche. Dennoch ist die Prognose
schlecht: Jeder zweite Patient - egal, ob jung oder alt -
stirbt innerhalb der ersten fünf Jahre, nachdem die Erkrankung
diagnostiziert wurde. Wissenschaftler der Universität
Bonn haben nun in Kooperation mit dem Herzzentrum Bad Oeynhausen
nach den Ursachen der Herzinsuffizienz gefahndet. Sie fanden
"deutliche Hinweise", dass eine Unterversorgung
mit Vitamin D zur Entstehung der Krankheit beiträgt.
Ihre Ergebnisse haben sie nun im angesehenen Journal of the
American College of Cardiology veröffentlicht (Vol. 41
Nr. 1, 2003, S. 105-112).
Bei einer
Herzinsuffizienz ist der Hohlmuskel so geschwächt, dass
er nicht mehr genügend Blut durch den Körper pumpen
kann, um Organe und Muskulatur ausreichend zu versorgen. Die
Patienten ermüden nach der geringsten Anstrengung, der
Puls jagt, die Luft wird knapp. Aufgrund der schlechten Durchblutung
versagen die Nieren ihren Dienst und können den Körper
nicht mehr ausreichend entwässern. Folge: Wassereinlagerungen
im Gewebe, so genannte Ödeme. Das Herz reagiert mit der
Ausschüttung des Hormons ANP, das die Flüssigkeitsausscheidung
fördert. Eine erhöhte ANP-Konzentration im Blut
ist daher ein verlässlicher Hinweis auf eine Herzinsuffizienz
- und zwar bereits im Frühstadium, wenn die Erkrankung
kaum Symptome verursacht.
Seit einigen
Jahren ist bekannt, dass das Vitamin D in Zellkulturen die
Produktion des "Entwässerungshormons" ANP hemmt.
Hühner entwickeln unter Vitamin D-Mangel eine Herzschwäche,
die wieder verschwindet, sobald Vitamin D mit dem Futter verabreicht
wird. Und in Herzmuskelzellen der Ratte konnten Wissenschaftler
zahlreiche "Andockstellen" (Rezeptoren) für
Vitamin D finden. So lag die Vermutung nahe, dass der Inhaltsstoff
von Aal, Lachs und Hering auch bei der Entstehung der menschlichen
Herzinsuffizienz eine Rolle spielen könnte.
Hochschuldozent
Dr. Armin Zittermann vom Bonner Institut für Ernährungswissenschaft
ist mit seiner Doktorandin Stefanie Schulze Schleithoff in
Kooperation mit dem Herzzentrum Bad Oeynhausen dieser These
nachgegangen. Insgesamt nahmen an der weltweit ersten derartigen
Studie 54 Patienten mit Herzschwäche und 34 gesunde Kontrollpersonen
teil. Die Wissenschaftler bestimmten die Konzentration von
zwei verschiedenen Vitamin D-Varianten im Blut der Probanden:
Bei Personen mit Herzinsuffizienz waren die Werte um bis zu
50 Prozent niedriger als in der Kontrollgruppe. Die ANP-Menge
war bei den Patienten dagegen auf mehr als das zweifache erhöht.
Der Schweregrad der Erkrankung korrelierte mit dem Ausmaß
des Vitamin D-Mangels. "All das sind starke Hinweise
darauf, dass eine unzureichende Versorgung mit Vitamin D bei
der Entstehung der chronischen Herzschwäche eine Rolle
spielen könnte", meint Dr. Zittermann. Momentan
führen die Forscher eine Anschlussstudie durch, in der
sie Herzpatienten Vitamin D verabreichen und kontrollieren,
ob sich ihr Zustand bessert.
Das Vitamin
spielt unter anderem bei der Regulation der Kalzium-Konzentration
im Körper eine Rolle - zum Beispiel, indem es die Kalzium-Aufnahme
aus dem Darm verbessert. Es scheint aber auch den Kalzium-"Umschlag"
in den Herzzellen beeinflussen zu können. Damit sich
der Muskel zusammenziehen kann, muss die Kalziumkonzentration
kurzfristig stark ansteigen. Dazu zapft das Herz einen innerzellulären
Kalzium-Speicher an, den es bei der Entspannung mit Hilfe
kleiner "Pumpen" wieder füllt. Vitamin D scheint
die Aktivität dieser Minipumpen zu beeinflussen. Wenn
die aber nicht richtig funktionieren, kann der Herzmuskel
nicht vollständig kontrahieren.
Der Mensch
bildet sein Vitamin D selbst. "75 bis 90 Prozent entstehen
bei UVB-Bestrahlung in der Haut, den Rest nehmen wir über
die Nahrung auf", erklärt der Ernährungswissenschaftler.
Wenigstens normalerweise: Wer tagein, tagaus ein Schattendasein
im Büro fristet und in der Freizeit hauptsächlich
vor dem Fernseher oder am Computer sitzt, bildet zu wenig
Vitamin D. Und in den Wintermonaten reicht die Intensität
der UVB-Strahlung im Sonnenlicht nicht aus - zumindest nicht
in unseren Breiten. "In Industrieländern ist Vitamin
D-Mangel ein häufiges Phänomen", resümiert
Dr. Zittermann. Besonders im Alter: Mit der Zeit verlieren
wir die Fähigkeit, die wertvolle Substanz selbst zu synthetisieren
- ein 80-Jähriger stellt bei gleicher UVB-Einstrahlung
nur noch ein Viertel der Menge her wie ein 20-Jähriger.
"Interessanterweise leiden fast alle Senioren auch unter
zumindest leichter Herzinsuffizienz." Nicht auszuschließen
ist im Moment, dass dieKrankheit selbst zum niedrigen Vitaminspiegel
beiträgt und damit ein Teufelskreis einsetzt - Herzkranke
sind schließlich nur selten an der Sonne.
Die Wissenschaftler
raten davon ab, die Haut nun vermehrt durch intensives Sonnenbaden
zu malträtieren. "Dazu ist UV-Strahlung einfach
zu gefährlich", erklärt der Ernährungswissenschaftler.
"Außerdem steht der letzte Beweis für einen
Zusammenhang noch aus." Nicht schaden könne aber
der regelmäßige Genuss Vitamin D-reicher Kost.
In nennenswerten Mengen ist die Substanz aber nur in Fisch
enthalten - zwei bis drei Fischmahlzeiten pro Woche seien
empfehlenswert.
Ansprechpartner:
Hochschuldozent Dr. Armin Zittermann
Institut für Ernährungswissenschaften der Universität
Bonn
Telefon: 0228/73-2016
E-Mail: a.zittermann@uni-bonn.de
Zu dieser
Mitteilung existieren Bilder im WWW.
http://idw-online.de/public/zeige_bild?imgid=6239
Weitere
Informationen finden Sie unter:
http://www.uni-bonn.de/Aktuelles/Presseinformationen/2003.html
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